Hilfe im Alltag für Alleinerziehenden

Wie schaffst du das bloß? Alltag einer Alleinerziehenden

Mensch, wie du das im Alltag alles so schaffst!

Ja, hm. Was soll ich darauf antworten? Ist das jetzt ein Lob oder ein Trost? So ganz sicher bin ich mir bei dieser Äußerung immer nicht. Was genau will mir diese Aussage für meinen Alltag mit auf den Weg geben? Oder anders gesagt: Was bleiben mir denn für Alternativen? Wenn es mal wieder eng wird, muss ich einfach die Dinge tun, die getan werden müssen. Eigene Wünsche haben dann keinen Platz. Augen zu und durch. Wird auch wieder besser. Aber das kennt eigentlich jeder, ob jetzt mit Kindern oder ohne. Im Prinzip verhalte ich mich einfach erwachsen.

Der Alltag einer Alleinerziehenden

Ja, wie schaffe ich den Alltag mit den Kindern bloß? Und ohne finanziell ins Straucheln zu geraten? Vor allem ohne Partner? Und ohne Burnout? Diese Fragen habe ich mir in der Tat schon öfter gestellt.




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Aber im Alltag stelle ich mir diese Fragen nicht. Da wird einfach gehandelt und nach Prioritäten abgewägt und das muss nicht immer nur ein Pflichtprogramm sein. Die Kür ist ganz wichtig. Und so bleibt sogar noch Zeit einen Kuchen für die Kita zu backen. Nicht weil ich das muss, sondern weil ich das so will. Wieso sollte ich mich ständig auf das Alleinerziehend sein reduzieren (lassen) und anderen nicht helfen oder Dinge tun, die ich als Mutter gerne machen möchte? Ich bin doch auch ein Mensch mit gewissen Vorstellungen vom Leben. Und es wäre völlig falsch zu denken: „Mensch, jetzt kann ich keinen Kuchen backen, weil ich ja alleinerziehend bin. Ich habe für sowas ja keine Zeit.“

Klar ist die Zeit im Alltag knapp. Aber wenn ich anderen helfen will, dann mache ich das einfach. Das ist nämlich auch ein prima Do-it-yourself Glücks-Booster. Morgen ist auch noch ein Tag mit 24 Stunden, da kann ich neu entscheiden, was wichtig ist und was ich persönlich wichtig finde. Es hilft enorm sich die Zeit einfach mal zu nehmen. Sonst rennt man ihr immer hinterher und bleibt persönlich auf der Strecke. Und es ist sehr gefährlich sein eigenes Leben erst nach dem Großwerden der Kinder wieder aufnehmen zu wollen. Das ist von einem selbst vermutlich nicht mehr viel übrig und der Weg in die Depression vorbestimmt.

Wie du trotz der Alleinerziehenden-Situation ein gutes Leben haben kannst, erfährst du in den Blogbeiträgen „Das richtige Mindset für ein gutes Leben“ und „Selbstbestimmung: Schritt für Schritt zurück ins Lebensglück“.

Berufliche Weitsicht für finanzielle Spielräume

Beruflich ist noch mehr Weitsicht und Planung gefragt, da ich selbständig tätig bin und es im beruflichen Alltag immer mal wieder zu Auftragslücken kommen kann. Da heißt es dann einen kühlen Kopf bewahren, finanzielle Reserven gebildet haben und sich nicht unter Wert verkaufen.

Hierzu eine kurze Geschichte: Nach einem längeren Auftragstief hatte ich vor kurzem zum ersten Mal Akquise betrieben. Tatsächlich kam dadurch ein sehr interessanter Kontakt zustande, der mir dann auch neue Aufträge bescherte. Ich hatte nicht angefangen an mir und meinem Können zu zweifeln und einen Aushilfsjob irgendwo angenommen oder mich wieder fest anstellen zu lassen – „weil ich ja eine Alleinerziehende bin und deshalb panisch sein müsste“. Nein. Ich habe einfach vertraut.

Von Superwoman zur Alleinerziehenden in drei Sekunden

Ich hatte mich so sehr über diesen Erfolg meiner vorausschauenden Planung und Arbeit gefreut, dass ich es direkt meiner Mutter erzählte. Und sie sagte anerkennend: „Mensch, wie einfach du das alles schaffst.“ Und dann noch irgendwas mit Alltag, spielerisch und Leichtigkeit und wie mir das alles so zufliegt.

Ähm nein. Ich bin und war nie die holde Maid, der das Glück einfach so in den Schoß geplumpst ist. Und die Worte meiner Mutter haben mein unermüdliches Tun und meine Arbeit, Planung und Organisation, die dahinter steckt, damit mein Leben und mein Alltag so läuft, wie ich das will und nicht wie andere das denken, wie es laufen sollte, komplett degradiert. Das hat mich gewurmt. (Mama, ich weiß, dass du das hier lesen wirst. Bitte nimm es mir nicht krumm, dass ich das an dieser Stelle mal loswerden musste. Ich weiß, dass du es nur gut gemeint hast und wir hatten das ja dann auch direkt besprochen. Ich habe dich lieb!)

„Positive Diskriminierung ist auch Diskriminierung“

An dieser Stelle möchte ich gerne Caroline Rosales zitieren. Die Frage „Wie schaffst du das alles?“ ist auch eine ihrer absoluten Hass-Fragen, die sie nicht mehr hören kann. Diese Frage bezeichnet sie als positive Diskriminierung. Und ich finde, das trifft es ganz gut. Es schwingt zwar die Empathie des Gegenübers mit, aber man ist und bleibt dadurch eine Alleinerziehende, ein gesellschaftliches Mängelexemplar. Schublade zu, Affe tot.

Und bei Caroline Rosales möchte ich direkt mal bleiben. Sie hat kürzlich das Buch Single Mom: Was es wirklich heißt, alleinerziehend zu sein* veröffentlicht. Der Untertitel stößt einigen Alleinerziehenden bitter auf, weil Caroline Rosales in ihrem Buch von Vollzeit-Arbeit, einem Au Pair zur Kinderbetreuung sowie Großeltern, 14-tägigen kinderfreien Wochenenden und einem regelmäßig Unterhalt zahlenden Kindsvater erzählt. Dadurch werden ihr Wörter wie „priviligierte Alleinerziehende“ und „im Champagner baden“ an den Kopf geworfen oder besser gesagt via Twitter gezwitschert.

Gute Beispiele von Alleinerziehenden braucht das Land

Mir spricht Caroline Rosales hingegen mit ihren Ansichten direkt aus dem Herzen. Sie hat ihr Leben so organisiert, damit es für sie passt. Einfach war das bestimmt nicht. Sie hat Wege gesucht und Lösungen für ihren Alltag gefunden. Deshalb ist sie nicht weniger alleinerziehend. Ich finde, sie ist ein sehr positives Beispiel dafür, wie das Leben und der Alltag als Alleinerziehende auch aussehen kann. Nämlich einfach als Leben – ohne Stempel, ohne Makel. Wenn man das will.

Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg

Ja, ich weiß. Ein furchtbar platter Spruch. Aber ich glaube fest daran, dass sich das Leben nach den eigenen Wünschen gestalten lässt. Die Voraussetzung dafür ist, dass ich die Situation akzeptieren kann. Der Traum vom Familienglück ist geplatzt. Das Leben hat einen Strich durch die Rechnung gemacht. Jetzt kann ich als Alleinerziehende jahrelang meiner gescheiterten Partnerschaft hinterher trauern und mich in meiner Opferrolle suhlen oder die positiven Seiten sehen.

Nur weil wir Alleinerziehende sind, und es ein gesellschaftliches Bild über Alleinerziehende gibt, heißt das noch lange nicht, dass wir diesem Bild entsprechen müssen.

Erschaffe dir dein eigenes Bild von dir

Hier muss ich noch eine kleine Anekdote loswerden:
Ich bin ja ein großer Freund von auf mich gemünzte Lebensprognosen. Also nicht. Und so kam es, dass ich als recht mittelmäßige Schülerin (immerhin Gymnasium) zu Beginn der Oberstufe von der Schulleitung die Worte hören durfte, dass es Fakt ist, dass man in der Oberstufe mindestens einen ganzen Notenpunkt im Durchschnitt absackt zum Abitur hin. Das hieße in meinem Fall ein Abi so um die 4,0. Wenn überhaupt.

Jetzt hätte ich mich seufzend diesem Schicksal ergeben können und meiner Rolle als mittelprächtige Schülerin gerecht werden. Habe ich aber nicht. Ich wusste, dass ich bisher die Schule eher über mich hatte ergehen lassen und dass es da durchaus noch Potential nach oben gab. Und so habe ich das dann einfach gemacht.

Welche Ziele willst du erreichen?

Ich setzte mir ein klares Ziel (ein besseres Abi als meine Schwester) 😉 und schob mit viel Arbeit meinen Notenspiegel nach oben. Leicht war das nicht. Ich war oft ganz schön müde und erschöpft, aber ich wollte mein Ziel unbedingt erreichen. Als ich erstmal Fahrt aufgenommen hatte, stellte sich mein Ziel dann als viel zu klein gesetzt heraus. Und so strebte ich eine noch bessere Note an, die ich dann auch bekommen habe. Hätte ich das irgendjemandem zu Beginn der Oberstufe gesagt, derjenige hätte mich vermutlich für völlig bescheuert gehalten. Und vielleicht wäre dann so ein Spruch wie „Schuster bleib bei deinen Leisten!“ gefallen!

Einfach machen, statt sich sagen zu lassen, was man machen soll

Und auf diese Art und Weise agiere ich heute noch. Wer sagt denn, dass ich nicht genug Geld verdienen kann als Alleinerziehende? Wieso soll ich nachmittags nicht mit meinen Kindern spielen können und stattdessen in irgendeinem Büro rumsitzen und meine Kinder in der Kita? Ich will das nicht. Das habe ich schon ohne Kinder gehasst (und mich fast in einen Burnout getrieben). Es passt nicht zu mir. Dann mache ich lieber abends den Computer noch einmal an, um in Ruhe zu arbeiten.

Gesellschafliches Bild einer Alleinerziehenden versus DU

Und so habe ich mich über die Jahre vom gesellschaftlichen Bild der Alleinerziehenden weg auf mein persönliches Lebensmodell hinbewegt. Der Konsens über Alleinerziehende ist ja keine allgemein gültige Charakterisierung. Wir sind ja ein so bunt gewürfelter Haufen verschiedener Charaktere. Was hat das mit mir zu tun? Ich kenne mich und mein Potential doch am besten. Und so habe ich klare Vorstellungen für meine Familie entwickelt und die einzelnen Weichen dafür gestellt. Es ist viel Arbeit. Ein stetes Abwägen und Vertrauen in sich selbst. Es ist kein vorgefertigter Weg sondern Neuland. Aber ich will das so, und es widerspricht dem „Wissen“ über Alleinerziehende. Aber das ist ja genau mein Ding 😉

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