Wie läuft die Trennung eines Paares mit Kind ab und wie ist sie zu bewältigen?

Trennung 2.0: Wie trennt man sich als Paar mit Kind?

Die Trennung von meinem Ex-Ehemann liegt jetzt ziemlich genau vier Jahre zurück. Vermutlich ist es mir deshalb jetzt so wichtig über dieses Thema zu schreiben.



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Ich weiß es noch ganz genau, ich saß mit meiner genau 14 Tage alten Tochter abends auf der Couch, als sich mein Mann im Wohnzimmer blicken ließ. Er hatte sich in letzter Zeit ziemlich rar gemacht und war auch erst 3 Tage nach der Entbindung im Krankenhaus erschienen.

Klar, er musste sich um unseren 3-jährigen Kindergartenfrischling kümmern und die Klinik lag etwas entfernt, aber ich fand das schon sehr komisch. Daher sprach ich ihn auf uns an. Er druckste etwas rum, … und brach dann in wenigen Sekunden mit wenigen Worten mein familiäres Genick.

Trennung trotz gemeinsamer Kinder

Er machte einfach „Schluss“. Oder wie sagt man heute dazu? Es ginge für ihn so nicht mehr und er fühle sich in unserer Beziehung überhaupt nicht mehr wohl.

Jede Frau, die schon mal im Wochenbett war, kann sich jetzt ausmalen, was in mir passierte. IHM ging es nicht gut! ICH hatte gerade geboren!!!

Ich grübelte eine ganze Nacht darüber nach und hielt es schließlich für eine Übersprungshandlung. Vielleicht wollte er mir weh tun und hat einfach mal den Vorschlaghammer rausgeholt. Aber DAS konnte er doch nicht ernst gemeint haben. Darf er das überhaupt?

Ich suchte das Gespräch. Es half nichts. Auch meine Bitte noch ein Jahr bei uns zu bleiben, bis die Kleine etwas größer ist und ich wieder besser agieren könne, verhallte. Zwei Monate später hatte er schon eine neue Wohnung und Freundin gefunden – eine gute Stunde Fahrt entfernt – und weitere zwei Monate später zog er aus.

Easy dagegen: Trennung 1.0 ohne Kinder

Waren das früher dagegen traumhaft schöne Zeiten: Ging eine Beziehung in die Brüche, hat man sich krank gemeldet, gelitten, geheult und stundenlang die beste Freundin kontaktiert. Man musste sich nur um sich selbst kümmern. Schließlich wurde sich wieder aufgerafft und Party gemacht. Das Beste war: Man musste diesen Menschen NIE WIEDER SEHEN.

Eine neue Bewältigungsstrategie muss her

Ist aber erst einmal ein gemeinsames Kind da, kann der Kontakt mit dem Ex-Partner nicht einfach so rigoros eingestellt werden, denn das Kind hat ein Recht auf beide Elternteile.

Das alte Überwindungsmuster aus Trennung 1.0 funktioniert also nicht mehr. Im Alltag mit kleinen Kindern ist es zudem schwierig, Raum und Zeit für die eigene Trauer zu finden. Die beste Freundin steckt meist auch gerade zwischen Kind und Küche fest oder hat den Karriere-Booster gezündet. Die Gespräche sind kurz, die Kinderohren hellhörig und so staut sich allmählich ein großer unverdauter Berg aus Gefühlen, Fragen und Verzweiflung an, der kein passendes Ventil findet und dringend Dampf ablassen muss.

Hol dir Hilfe!

Ich stolperte über meine persönliche Grenze und verhedderte mich in meinen Gedanken. Ich merkte, dass dieses Erlebnis zu groß und mächtig war, um es alleine verarbeiten zu können. Und so suchte ich mir Hilfe. Wenige Wochen später hatte ich einen Termin bei einer Therapeutin. Sie schaffte es, mich wieder zu beruhigen und ins Hier und Jetzt zurückzuholen.

Denn das Hier und Jetzt war nicht die Trennung von meinem Ehemann, sondern der Beginn meines neuen Lebens als alleinerziehende Mutter mit zwei kleinen Kindern, dass alle Aufmerksamkeit brauchte. Die Trennung war Vergangenheit. Meine Ein-Elternfamilie die Gegenwart.

Ich lernte…

… aus meiner Opferrolle herauszukommen.
… mit der Vergangenheit abzuschließen.
… wieder auf mich selbst zu achten.
… mein Leben und meine Zukunft selbst in die Hand zu nehmen.
… dass ich die wichtigste Person in meinem Leben bin.
… mir selbst für die Wahl meines Ehemannes zu verzeihen.
… zu verstehen, warum ich mir diesen Partner überhaupt ausgesucht hatte.
… zu merken, dass es mir ohne ihn besser geht.


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Wie geht man nach einer Trennung mit dem Kindsvater, Ex-Ehemann oder -Partner um?

Vermutlich würdest du mir nach dieser Geschichte sämtliche Verhaltensweisen meinem Ex-Ehemann gegenüber durchgehen lassen. Die Vorwürfe, bösen SMS und Anschuldigungen konnte ich mir anfangs auch nicht verkneifen. Sie mussten einfach raus.

Das Problem daran auf Dauer: Die schlechten Gedanken reißen dich mit in die Tiefe. Sie saugen deine Energie auf und lähmen dich. So gut es auch tut, den Gedankenmüll jemanden an den Kopf schmeißen zu können, es ist tatsächlich kontraproduktiv und bringt dich keinen Schritt weiter. Schlimmer noch: Die negativen Gedanken halten dich in der Vergangenheit fest und hindern dich in der Gegenwart zu leben.

Wenn ich an meine Kinder denke, dann bin ich heute (4 Jahre später) sehr froh, dass ich zumindest darauf geachtet habe, nicht direkt vor ihnen emotional zu platzen. Es ist schon schlimm genug, dass sie ihren Vater im Alltag verloren haben. Das tut mir unendlich leid. Sie sollen ihr Verhältnis zu ihrem Vater aber selbst bestimmen können und nicht Mama „in Schutz nehmen“.


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Zusammenfassung der neuen Trennungsstrategie

Zur Ruhe kommen.

Es gibt jetzt viel zu tun. Dein Leben wird sich komplett ändern. Aber lass dir Zeit. Finde gute, ruhige Momente für dich selbst. Der Rest findet sich, Schritt für Schritt. Mehr dazu findest du in meinem Blogbeitrag „Alleinerziehend was nun?„.

Hör auf dich selbst.

Du bist in deinem Leben am wichtigsten. Wenn es dir gut geht, dann geht es auch deinen Kindern gut. Vernachlässige deine Bedürfnisse nicht, sie sind wichtig.

Komm raus aus der Opferrolle.

Auch wenn du nichts für die Trennung kannst, du hast dir diesen Partner ausgesucht.

Akzeptiere die Trennung.

Mit Kindern trennt man sich nicht einfach so. Die Entscheidung ist durchdacht worden. Einer von beiden möchte einfach nicht mehr und damit ist die Beziehung dann auch beendet.

Bewusst positiv denken.

Überlege dir, was jetzt für dich besser geworden ist durch die Trennung. Diese positiven Gedanken helfen dir, mit der Situation besser fertig zu werden und langsam dieses Kapitel zu verarbeiten. Siehe auch meinen Blogbeitrag „Das richtige Mindset für ein gutes Leben„.

Finde einen Gesprächspartner auf deiner Augenhöhe.

Suche dir Platz zum Dampfablassen, aber lass unbedingt die Kinder raus. Setze sie durch deinen Ärger nicht zwischen die Stühle. Lass sie selbst herausfinden, was an Papa toll oder auch nicht so toll ist.

Schau nach vorne.

Auch wenn du es jetzt noch nicht siehst: Es wird besser! Es ist gut, dass die Beziehung zu Ende ist. Nur so kannst du nach vorne blicken und tun, was getan werden muss.

Bleib in der Gegenwart.

Lebe dein neues Leben ganz bewusst. Sei im Hier und Jetzt und entscheide einfach von Minute zu Minute, was als nächstes kommt. Dadurch bekommst du Vertrauen in dich selbst und merkst, dass das neues Leben (stellenweise) schon okay ist.

Finde Kommunikationswege mit dem Ex-Partner.

Ihr habt ein Kind und das hat sich von keinem von euch getrennt. Daher müsst ihr als Eltern Wege der Kommunikation und Umgangsregelungen finden. Woche für Woche, Monat für Monat, Jahr für Jahr.

Mein Fazit: Es geht uns heute besser

Rückblickend haut es mich immer mal wieder von den Socken, wenn ich daran denke, was in meinem Leben geschehen ist. Aber heute weiß ich, dass mich diese Erfahrung hat wachsen lassen. Ich habe den Worst Case (dt. schlimmster Fall, der eintreten kann) meines Lebens hinter mir (hoffe ich!!), und ich bin nicht daran gescheitert. Die Angst, den Partner verlieren zu können, ist weg. Das befreit ungemein 🙂

Die Kinder haben ihren Vater als direkte Bezugsperson zwar verloren, aber durch den Umzug in meine alte Heimat eine große Familien dazu gewonnen.

Und auch der Vater der Kinder ist durch die Trennung jetzt bewusster und sicherer im Umgang mit den Kindern geworden. Weil Mama dann halt nicht dabei ist und alles regeln kann.

Was genau an dem neuen Leben als Alleinerziehende besser ist, dass erfährst du in meinen Blogposts „Gut leben als Alleinerziehende“ und „9 Gründe, warum ich gerne alleinerziehend bin„.

Und jetzt noch mal ganz unter uns

Wenn du ein Vater, Partner, Ehemann bist, der die Trennung möchte: Halte bei einem neugeborenen Kind ein Jahr die Füße still. Stell deine eigenen Bedürfnisse für diesen Zeitraum zurück und sei einfach nur für Mutter und Kind da. Beide sind in dieser Zeit sehr eng verbunden und das Kind trägt das Leid der Mutter direkt mit! Vielen Dank

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2 Kommentare zu “Trennung 2.0: Wie trennt man sich als Paar mit Kind?

  1. Anica Thiele

    Also meine Trennung ist erst 1,5 Jahre her und sie verlief im Grunde genau wie deine ab. Und schon jetzt kann ich dir in allen Punkten nur zustimmen!!! Toller Beitrag 👍🏼

    • Silke Wildner

      Liebe Anica, vielen Dank für deinen schönen Kommentar. Wie hast du es geschafft, dich nach der Trennung wieder auf die Beine zu stellen? Liebe Grüße, Silke

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