Netzwerk aufbauen für Alleinerziehende, Bausteine und Verknüpfung

Netzwerk aufbauen als Alleinerziehende

Wozu muss ich ein Netzwerk aufbauen?

Ich weiß noch, wie es bei mir zu Beginn meiner Zeit als Alleinerziehende war. Damals hatte in einer Beratung die Info bekommen, dass ich mir in meiner Situation mit zwei kleinen Kindern ohne familiären Anschluss vor Ort unbedingt ein Netzwerk aufbauen müsse.




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Das hat sich für mich sehr mühselig und irgendwie überflüssig angehört. Wozu brauche ich ein Netzwerk? Ich schaff das schon ganz alleine, habe ich mir gedacht. Denn ich wollte nicht bei irgendwem in der Nachbarschaft klingeln und um Hilfe betteln. Ich hatte genug um die Ohren

Aber: Die Zeiten, in denen du einen Partner Zuhause hattest, mit dem du dich absprechen und abwechseln konntest, sind vorbei. 

In deinem Leben als Alleinerziehende wird es immer wieder Situationen geben, in denen du Hilfe brauchst. Auch wenn du jetzt noch nicht daran gedacht hast. Der nächste Elternabend in der Kita oder der Schule kommt ganz bestimmt!

Was ist ein Netzwerk?

Natürlich muss man nicht in der Nachbarschaft hausieren gehen, um sich ein Netzwerk aufzubauen. Es hat auch nichts mit betteln zu tun.

Manchmal steckst du schon mitten im Aufbau eines Netzwerkes ohne es bewusst so zu sehen. Ab dem Moment, in dem du dein Kind für eine Krippe, eine Tagesmutter oder den Kindergarten anmeldest, hast du die erste Verknüpfung raus aus deiner mütterlichen Insel gemacht.

Dein Netzwerk wird aus Personen oder Einrichtungen bestehen, mit denen du in direkt Verbindung stehst. Diese Stützpfeiler werden dir helfen, dein Familienleben auf die Reihe zu bringen. Egal ob für die Kinderbetreuung, den Haushalt, plötzliche Notsituationen oder für dein eigenes Wohlbefinden.

Was für ein Netzwerk brauche ich?

Geh einmal deinen Alltag als Alleinerziehende gedanklich durch. Zu welchen Zeiten und für welche Aufgaben brauchst du Hilfe von außen? Dabei muss es sich nicht zwingend um Notsituationen handeln. Du kannst auch Aufgaben rausgeben, die du selbst nicht erledigen möchtest.

Wie kannst du deinen Beruf mit den Kindergarten- oder Schulzeiten vereinbaren? Wer kann das Kind abholen und betreuen, wenn deine Kita mal früher schließt? Was ist, wenn du mal über Nacht weg bist?

Wer kann zum Beispiel helfen, wenn du mal so richtig krank bist und dich kaum auf den Beinen halten kannst. Passiert dir nicht? Mag sein. Aber was, wenn doch?

Bausteine deines Netzwerks

Jedes Netzwerk ist sehr individuell. Daher kann ich dir keine Patent-Rezept an die Hand geben.

Nachdem du dir deine Gedanken zu alltäglichen Aufgaben, Situationen und Notfällen in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft gemacht hast, kannst du am besten abschätzen, welche Art von Hilfe brauchst und wo noch Mangel herrscht. Es ist ratsam so frühzeitig wie möglich mit infrage kommenden Personen in Verbindung zu treten:

Freunde / Bekannte

Eine Freundin oder ein Freundeskreis vor Ort ist Gold wert. Wenn deine Freundin dann auch noch selbst Kinder hat, dann kann das eine echte Win-Win-Situation für euch alle werden. Ihr könnt euch beim Kinderhüten abwechseln oder gemeinsame Ausflüge oder Urlaube planen!

Familie

Nicht jeder ist mit seiner Familie vor Ort oder fahrbarer Entfernung gesegnet. Aber vielleicht kannst du in die Nähe deiner hilfsbereiten Familie ziehen? Für einen Umzug musst du aber bei gemeinsamem Sorgerecht mit dem anderen Elternteil deiner Kinder übereinkommen.




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Ex-Partner

Bei gemeinsamem Sorgerecht hat das andere Elternteil auch eine Sorgepflicht. Viele getrennte Eltern vereinbaren daher einen regelmäßigen Umgang zu festen Zeit. Aber auch darüber hinaus sind Termine oder Verschiebungen mit dem Ex-Partner besprechbar. Leider sehen das nicht alle Ex-Partner so. Wenn das bei euch der Fall ist, dann wähl lieber eine andere Alternative, statt den Ex ändern zu wollen. Das spart Nerven und Zeit!

Tagesmutter / Krippe / Kita

Krippen und Kitas bauen stellenweise immer mehr auch Randbetreuungszeiten aus. In machen Städten gibt es 24h-Kitas. Alternativ gibt es fast überall Tagesmütter, die sehr flexibel agieren. Ich selbst habe hier immer gute Erfahrungen gemacht.

Keine Angst vor den teils horrenden Kosten für diese Betreuung. Bei geringem Einkommen kannst du eine Übernahme der Kosten beantragen. Einen ersten Überblick zur Übernahme der Kinderbetreuungskosten gibt es hier oder einfach mal beim zuständigen Jugendamt anrufen.

Leih-Omas

In vielen Städten findest du Leih-Omas. Meist sind es ältere Frauen, die selbst keine Enkel haben oder einfach gerne ihre Zeit mit Kinder verbringen. Wie du eine Leih-Oma findest, erfährst du hier.

Babysitter

Ein weiterer Baustein ist natürlich der klassische Babysitter. Dazu findest du eine gut sortierte Liste meist bei Mütter- und Familienzentren, Familienbildungsstätten, im Internet oder auch am schwarzen Brett von der Kita. Die Quellen sind vielfältig. Vielleicht gibt es auch jemanden in der Nachbarschaft, der als Babysitter geeignet wäre?

Patenschaft

Wer sich eine weitere regelmäßige Bezugsperson im Leben seines Kindes wünscht, kann auch eine Patenschaft eingehen. Dabei handelt es sich um eine längerfristige Beziehung. Ein tolles Beispielprojekt ist das patenprojekt berlin e.V.

Alleinerziehenden-Treffen

Im Alltag andere Alleinerziehende zu finden, ist meist schwierig, da man gar nicht weiß, wer alleinerziehend ist. Daher guck mal, ob es bei dir in der Nähe ein Alleinerziehenden-Treffen gibt. Manchmal werden auch Frühstücks-Treffen von Vereinen angeboten. Dabei lässt es sich prima kennenlernen, austauschen und die Kinder nimmt man einfach mit. Nicht selten entstehen hier Freundschaften mit gegenseitigem Hilfsangebot.

Wohngemeinschaft

Immer häufiger finden sich Alleinerziehenden-WGs zusammen, oder Alleinerziehende vermieten ein Zimmer unter. Das ist natürlich nicht Jedermanns Sache. Aber wenn es passt, dann spart man Miete, hat einen weiteren Erwachsenen im Haus und kann sich so auch schnell mal eine Kinderbetreuung organisieren. Bei einer reinen WG behältst du auch die Steuerklasse 2.

Austausch über soziale Medien

Für Alleinerziehende, die durch die Kinder abends Zuhause sind, bietet sich der Austausch über soziale Medien wie Facebook an. Daher möchte ich dir an dieser Stelle meine geschlossene Gruppe Gut alleinerziehend auf Facebook ans Herz legen. Die Gruppe ist nicht öffentlich einsehbar und deine Privatsphäre geschützt.

Mein Fazit

Hilfe annehmen ist keine Schande

Nicht nur mir ist es anfangs schwer gefallen, Hilfe anzunehmen. Ich treffe immer wieder Menschen, die die alltäglichen Lasten alleine stemmen wollen. Dabei tut es so gut, geholfen zu bekommen und Hilfe anzubieten.

Hilfe annehmen ist kein Zeichen von Schwäche oder Versagen. Es zeichnet im Gegenteil dein Verantwortungsbewusstsein und deine Voraussicht aus. Jeder Mensch hat Grenzen, auch du.

Als Eltern können wir eine Zeitlang unsere eigenen Bedürfnisse für die Familie zurückschrauben. Aber das geht nicht für immer, auch wenn wir das nicht wahr haben wollen.

Achte deine Bedürfnisse, denn sie sind dein Schlüssel zum Wohlbefinden. Du bist in deiner Familie jetzt der einzige Dreh- und Angelpunkt. Wenn es dir gut geht, geht es auch deinen Kindern gut.

Wieso also nicht mal einen Babysitter engagieren und sich abends mit Freunden treffen? Es tut so unglaublich gut, wieder in Kontakt mit der „normalen“ Außenwelt zu kommen.

Hast du noch andere Ideen ein Netzwerk aufzubauen? Dann freue ich mich über deinen Hinweis in den Kommentaren 🙂

Alleinerziehend ein Netzwerk zur Unterstützung aufbauen
Tipps und Ideen zur Gründung deines individuellen Netzwerks als Alleinerziehende findest du hier.

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