Warum der Stereotyp Frau den Stereotyp der Alleinerziehenden prägt

Stereotyp Frau: Wir sind doch nicht alle gleich!?

Ich glaube, es lag am diesjährigen Weltfrauentag, dass meine Gedanken anfingen um das Bild der Frau in Film und Fernsehen zu kreisen. Bis dato hatte ich das Gefühl, dass wir Frauen da auf dem Vormarsch sind – aber dann traf es mich wie ein Blitz: Das ist ja immer derselbe Stereotyp Frau! Ja, sind wir denn alle gleich?

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Hallo Frau Stereotyp!

Egal wohin mein Auge blickt, aus fast allen Filmen, Kinderserien und Werbefilmchen lächelt mir der gleiche Stereotyp Frau entgegen. Maximal differenziert durch Alter, Haar-, Haut- oder Augenfarbe.

Frau Stereotyp ist hübsch, legt Wert auf ihr Äußeres, ist schlank und trägt enganliegende Kleidung. Sie unterstreicht ihre Weiblichkeit und ist eher eine Mitläuferin als eine Anführerin. Dabei mag sie noch so klug, clever oder lustig sein, erst kommt die Schönheit.

Der Stereotyp Frau und seine negativen Folgen für Frauen, Mädchen und Alleinerziehende
Hauptsache schön und beliebt – das ist doch nicht das Vorbild, dass wir uns für unsere Töchter im Jahr 2020 wünschen, oder?

Sind das alles Quotenfrauen?

Es fängt in Kinderfilmen schon an. Das hat mich am meisten geschockt. Einerseits finde ich es ja gut, dass selbst in einer Serie wie Paw Patrol* eine weibliche Hauptrolle dabei ist. Aber diese eine Rolle repräsentiert dann halt auch nur das typisch Weibliche. Deshalb ist Skye (die Hunde-Dame) sehr niedlich, hat pinke Accessoires und läuft bei der Action eher unter ferner liefen.

Ein ähnliches Bild begegnet mir bei der Lego Nexo Knights Truppe. Hier darf die weibliche Hauptdarstellerin namens Macy zwar etwas raubeiniger auftreten – aber so ganz wird sie nicht aus dem weiblichen Stereotyp entlassen.

Es reicht nämlich nicht, dass sie eine kampferprobte Ritterin ist – nein! Denn sie hat als einzige Besetzung eine Doppelrolle und muss zusätzlich noch als Prinzessin funktionieren. Damit nicht genug, leistet sie Überzeugungsarbeit bei ihren Eltern, eine Ritterin sein zu dürfen. Während die männlichen Ritter einfach nur Ritter sind und dafür gefeiert werden!

Ein bisschen bekomme ich den Eindruck, dass es sich bei der weiblichen Rolle in gemischten Gruppen um eine reine Quotenfrau handelt. Hübsch anzuschauen, Stellvertreterin für die weibliche Zuschauerschar, aber für mehr als eine war inhaltlich kein Platz.

Wie war das denn früher?

Ich schweife in Gedanken ab und tauche ein in die Welt von TKKG. Eine meiner absoluten Lieblingsserien als ich selbst noch ein Kind war. Und schon wieder: Gaby – die einzige weibliche Hauptrolle – verkörperte auch schon den Stereotyp Frau. Wie man an diesem Logo unschwer erkennen kann!

Gaby ist sehr hübsch, ein bisschen klug, steht natürlich auf den Anführer und hat einen Vater, der dem Detektiv-Team als Kommissar zur Seite steht. Eine klassische Mitläuferin mit gutem familiären Background.

Und noch etwas fällt mir auf: Das Liebesthema wird immer an der Frau aufgehängt. Für die Männer ist das Abenteuer, der Erfolg oder die Freiheit das höchste Ziel und bei Frauen die Liebe und der Partner fürs Leben.

Zählt bei Frauen nur das Äußere?

Bei einem kleinen Psychotest-Spielchen von Snapchat fällt mir wieder der weibliche Stereotyp auf. Während die männlichen Teilnehmer Fragen zu Beruf, Hobbys und Vorlieben gestellt bekommen, geht es bei Frauen fast ausschließlich um das Aussehen, Partnerschaft, Konkurrenz und Gefühle.

Ganz im Ernst: Meine Welt ist das nicht! Ich empfinde die männlichen Fragen als normaler und zutreffender. Ich habe nämlich auch innere Werte, Stärken und Charaktereigenschaften!

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Es ist nur Platz für eine Frau

Thematisch passend flatterte mir bei Facebook ein kleines Filmchen mit Carolin Kebekus (Comedian) aufs Display, dass meine neue Erkenntnis über die Quotenfrau sehr treffend unterstreicht:

Der Kuchen ist groß genug für mehrere Frauen, NDR Talkshow, 3:42 min.

Ich musste sehr lachen über den Rollenkampf beim weihnachtlichen Krippenspiel. Aber Carolin bringt es auf den Punkt: Es gibt dort genau EINE WEIBLICHE Hauptrolle – nämlich die der Maria – um die sich alle Mädchen prügeln müssen.

Eine Rolle, die zudem das Urbild der Mütterlichkeit repräsentiert: Ungewollt schwanger, aber dennoch hingebungsvoll für ihr Kind da und das auch noch nach einer langen, kräftezerrenden Reise und ohne Herberge.

Ist das alles, was wir Frauen darstellen? Die Opferrolle, die Ja-Sagerin – aber bitte immer hübsch anzuschauen?

Ich war übrigens auch mal beim Krippenspiel dabei. Um die Rolle der Maria habe ich erst gar nicht die Hand gehoben, aber für die Rolle des Herbergsvaters. Vermutlich hatte ich damals schon den Hang zum passiven Einkommen und wollte mitbestimmen, wer bei mir ein- und ausgeht 😉 Während meine Mutter enttäuscht war, dass ich eben nicht die Maria spielte!

Charaktereigenschaft „Frau“

Wieso kann die Frauenrolle nicht einfach mit einer nur starken oder nur klugen Frau besetzt sein? Nein, immer erst kommt das Äußere und dann noch eine persönliche Stärke um den Platz zu rechtfertigen!

Selbst die starke und wichtige Rolle der Hermine Granger in Harry Potter* wurde mit der hübschen Emma Watson besetzt. Und am Ende heiratet Hermine dann so einen Schlumpf wie Ron.

Apropos Schlumpf: Rate mal, wie viele Frauen bei den Schlümpfen auf ein ganzes Dorf kommen? Genau EINE:

Gestatten, Schlumpfine* – der Stereotyp Frau in Blau

Es hat fast den Anschein, als wären Charaktereigenschaften eine rein männliche Angelegenheit. Während Frauen unter dem Charakterzug „Frau“ gebündelt werden.

Stereotyp Frau = Stereotyp Alleinerziehende

Da ist es dann im Umkehrschluss kaum verwunderlich, dass das Bild der alleinerziehenden Frau nicht plötzlich in den leuchtenden Farben der Differenzierung gemalt werden kann. Denn das scheinbar einzige Bild der Frau ist nunmal geprägt von Schönheit und Unselbständigkeit und nur komplett mit der großen Liebe.

Folglich müssen Alleinerziehende doch einen neuen Mann suchen, stark auf ihr Äußeres achten und Geld für Konsum raushauen, bis das Leben dank neuem Partner endlich richtig weitergeht und abgesichert ist.

Alleinerziehende, die ihr Leben selbst gut managen und ihre Familie auch finanziell gut versorgen, sind im Stereotyp Frau einfach nicht vorgesehen! Auch wenn es sie zu Tausenden in Deutschland gibt!

Hier findest du mehr zur guten Vereinbarkeit von Familie und Beruf für Alleinerziehende.

Der Stereotyp der Alleinerziehenden im Film

Und so sieht der Stereotyp der Alleinerziehenden in den Film- und Fernsehproduktionen aus:

Die hübsche, unselbständige Mutter gerät durch einen Schicksalsschlag in Schwierigkeiten. Sie kämpft wie eine Löwin, erreicht aber nichts. Erst durch einen Mann in ihrem Umfeld kommen die Dinge positiv ins Rollen. Das Ende vom Lied: Plötzlich ist es Liebe und alle Sorgen vergessen.

Ganz im Ernst: NEIN! Da ist noch viel Spielraum. Und falls du Drehbuchautor/in bist, dann melde dich bei mir für mehr weibliche Vielfalt auf der Matschscheibe!

Was sollen unsere Töchter daraus lernen?

Meine 5-jährige Tochter fängt an, sich an diesem weiblichen Vorbild zu orientieren. Denn es wird leider auch in reinen Mädchen-Gruppen nicht besser. Egal ob Lego Friends* oder Barbie, alle Mädchen und Frauen sehen gleich gut aus und verhalten sich auch ähnlich!

Was ist das für eine Botschaft? Hauptsache du bist hübsch – nur dann steht dir die Welt offen – und der Rest ist unbedeutend??

Diese Gedanken musste ich mir bei meinem Sohn nie machen. Denn die männlichen Rollenvorbilder waren immer schon gut differenziert.

Danke, Astrid Lindgren

Und so werde ich auch im Jahr 2020 weiterhin die Bücher von Astrid Lindgren in die Hand nehmen und meinen Kindern daraus vorlesen.

Danke, Astrid, dass du im Jahr 1949 so mutig warst, mit der Geschichte der Pippi Langstrumpf* ein bis heute fast einzigartiges Mädchenbild in die Welt zu bringen. Das ist schon über 70 Jahre her! Was ist seitdem passiert?

Mehr über die literarische Kinderbuch-Visionärin Astrid Lindgren findest du in diesen Blogbeiträgen:
Astrid Lindgren – mutig und alleinerziehend
Astrid Lindgren – von der Hausfrau zur Autorin

Die Corona-Krise wird viel in unserer Gesellschaft durcheinander bringen. Diese Krise kann für uns Frauen aber auch die große Chance werden, endlich für unsere Wünsche und Bedürfnisse einzustehen, unseren Wert für die Gesellschaft neu zu definieren und Altes zu hinterfragen. Wir leisten schon immer so viel mehr, als es der Stereotyp vermuten lässt. Es darf nicht so bleiben, dass mit der Bezeichnung „Frau“ ALLES über Frauen gesagt ist!

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