Gute Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Wie steht es um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf bei Alleinerziehenden?

Dieses immer wieder heiß diskutierte Thema stellt Alleinerziehende vor große Probleme. Wer zeitlich mehr im Beruf arbeiten möchte, stößt schnell an die Grenzen des Machbaren, was die Familie anbelangt. Und bei Alleinerziehenden sind die Grenzen sehr eng gesteckt, da es keinen Partner gibt, der hier unterstützen kann. Wer seine Zeit mehr der Familie widmen möchte, der steckt im Beruf zurück und kommt finanziell auf keinen grünen Zweig. So lässt sich das Dilemma von der Vereinbarkeit von Familie und Beruf einmal in Schwarz und Weiß gemalt darstellen.

Meine Erfahrungen bei der Suche nach der Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Bei diesem Thema gibt es keinen Königsweg – viele Wege führen zu einer guten Balance zwischen Beruf und Familie. Aber auch viele in die entgegengesetzte Richtung. Ich für meinen Teil habe die Lösung in der Selbständigkeit gefunden. Es setzt zwar ein gutes Maß an Disziplin, Organisation und Weitblick voraus, aber ich denke, darin sind Alleinerziehende gut geübt.




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Augen auf bei der Berufswahl

Mit dem Satz meiner Mutter „Das ist so toll, dass du eine Arbeit mit guter Vereinbarkeit von Familie und Beruf hast.“ fingen meine Gedanken zu diesem Artikel an. Denn es war nicht immer so. Lange Zeit hielt ich meinen Beruf für völlig inkompatibel mit der Familienplanung.

So fing alles an

Angefangen habe ich ganz klassisch mit einer Festanstellung als Grafikerin in einer Agentur. Und da kam auch schon der erste Schock um die Ecke: Kernarbeitszeiten von Montag bis Freitag, 9 Uhr bis 18 Uhr. Keine Gleitzeit, sondern obendrauf noch unbezahlte Überstunden oder Wochenendarbeit. Da musste ich als Anfang 20-Jährige schon mal schlucken. Da war der Tag ja futsch. Aber so läuft die Branche nun mal. Also ran an das erste feste Gehalt – auch wenn es nicht sehr hoch war.

Aber an die Substanz ist es mir dennoch gegangen. Und da war ich noch jung. Keine Freizeitaktivitäten mehr unter der Woche, Abendbrot auf dem Heimweg und danach todmüde ins Bett fallen. Junge Familienmütter oder -väter gab es kaum auf der Arbeit und wenn dann waren sie, Wunder oh Wunder, schnell wieder weg.

Zwischenschritt Studium

Um mal wieder zu Atem zu kommen und meine Fachkenntnisse weiter auszubauen, bin ich studieren gegangen. Mit meiner Berufspraxis konnte ich nebenher selbständig arbeiten. Meine erste Berührung mit dem so „risikoreichen“ Berufsweg.

Zurück in die Agentur und rein in die Familienplanung

Das Studium ging zu Ende und ich entschied mich wieder für das Agenturleben. Allerdings erstmal nur mit einer Festanstellung für 3 Tage. Nebenher blieb ich weiter freiberuflich tätig, aber von daheim arbeitend wurde es mir schnell zu langweilig. Also wieder rein in die Lebenszeit-Raubmaschinerie alias Vollzeitbeschäftigung. Aus 40 Stunden wurden wöchentlich dann auch mal 50 oder 60 Stunden.

Als ich dann selbst an die Familienplanung dachte, wusste ich gar nicht, wie das mit meinem Beruf überhaupt vereinbar sein soll. Lange Auszeit? Oder eine Teilzeit? Wenn das die Agentur überhaupt unterstützt? Es gab keine Elternmodelle in dem ach so jungen und hippen Haufen. Wer um 18 Uhr ging bekam hinterhergerufen: „Hast du einen halben Tag Urlaub genommen?“ Lustig. Aber ich war ja selbst nicht besser.

Schwanger, Kind und die Zeit danach

So wurde ich schwanger, bekam mein erstes Kind und schob die Gedanken an die berufliche Zukunft einfach beiseite. Durch das Elterngeld ist das erste Jahr ja erstmal abgesichert. Aber auch das geht mal vorbei und so kehrte ich schließlich der Agentur und der Vollzeitarbeit den Rücken. Für mich als junge Mutter war der Graben zwischen dem Leben mit Kind und dem Agenturleben zu einem persönlichen Marianengraben geworden.

Vereinbarkeit von Familie und Beruf – wie soll das gehen?

Ich habe lange überlegt, wie ich meinen heiß geliebten Beruf weiter ausüben UND mich um mein Kind kümmern kann. Nur auf das Kind aufpassen, ist nämlich nichts für mich. Ich wollte mich zwischen den Windeln auch wieder als Erwachsene fühlen und nicht nur als Mutter. Ich wollte wieder rein in die berufliche Praxis. Aber täglich wieder in eine Agentur rennen, wollte ich nicht. Ich wollte eine gute Vereinbarkeit von Familie UND Beruf und nicht entweder oder.

Babyschritte in die richtige Richtung

Zusammen mit den ersten Schritten meines Kindes wuchs in mir der Gedanke an meine persönliche Lösung zur guten Vereinbarkeit von Familie und Beruf heran: Die Selbständigkeit. Nur so kann ich meine Zeit auch weiterhin frei einteilen und auf besondere Vorkommnisse reagieren statt der Zeit wie früher hinterherzurennen. Und so ist es geblieben. Ein zweites Kind kam, ich wurde Alleinerziehende und wechselte den Wohnort. Ich musste mich nach keinem Arbeitgeber richten, ich entschied nach dem Besten für meine Familie.

Eine Erfolgsgeschichte mit einem großen Aber

Ich bin also Alleinerziehende und Selbständige. Ich liebe meinen Beruf. Es ist das, was ich immer machen wollte und ich habe es so organisiert, dass es zu meinem Leben passt. Ich habe meine Finanzen im Griff, keine Schulden und strebe für meinen Ruhestand ein finanzielles Polster an – jenseits der gesetzlichen Rente.

Das große Risiko Selbständigkeit

Aber von Alleinerziehenden wird etwas anderes erwartet. Mir ist das immer wieder aufgefallen. Spätestens wenn ich im Gespräch erwähne, dass ich alleinerziehend und selbständig tätig bin, werde ich für verrückt erklärt. Warum das reines Schubladendenken ist, erfährst du hier.

Warum ich dieses Risiko denn auf mich nehme, wird gefragt. Wieso ich nicht besser für meine Sicherheit und das Wohl meiner Kinder sorge und mir eine Festanstellung suche, wird gesagt. Wozu? Damit ich dann in Teilzeit bei einem Hungerlohn meine Kinder länger als 6 Stunden täglich in der Kita betreuen lassen muss (was ich mir dann eh nur mit finanzieller Zusatzunterstützung leisten könnte)? Damit ich dann 2 Mal am Tag im Stau stehe und noch mehr Zeit und Geld (Auto oder Nahverkehr) verbrate? Von der passenden Garderobe und dem morgendlichen Zurechtmachen mal ganz abgesehen? Wozu der ganze Stress?

Meine Vereinbarkeit von Familie und Beruf sieht so aus:

Ich trauere meiner Vollzeitanstellung nicht nach. Ich bin froh, dass diese Zeit vorbei ist und ich wieder Zeit zum Leben habe. Und ich will auch keinen mies bezahlten Teilzeitjob annehmen. Und dazu zählt jeder Teilzeitjob für mich, wenn er in einem Angestelltenverhältnis stattfindet. Warum? Ganz einfach: Als Festangestellte wird man eigentlich nur nach der eingetauschten und „abgesessenen“ Arbeitszeit bezahlt und nicht nach dem Ergebnis. Fehltage für Krankheit und die der Kinder werden direkt bei den Gehaltsverhandlungen einkalkuliert. Schließlich muss sich der Arbeitgeber ja absichern. Zeitlich flexibel kann ich als Alleinerziehende ja auch nicht sein. Das ich eine Frau bin, macht vermutlich noch mal ein paar Euros weniger Gehalt.

Nein, danke. Als Alleinerziehende habe ich keine Zeit, meine Zeit zu verschenken. Ich habe keine Zeit mir den Po in zeitfressenden Meetings – am besten am Nachmittag oder früh am Morgen – platt zu sitzen. Ich muss das Maximum aus meiner, mir für die Arbeit zur Verfügung stehenden geringen Zeit, herausholen. Mich über Wert verkaufen und nicht darunter. 

Und so lebe und arbeite ich

Ich arbeite still, konzentriert, äußerst effektiv und wirtschaftlich lohnend. Ich bin zuverlässiger als viele Festangestellte, weniger krank, und flexibel wenn es sein muss. Es spricht ja nichts dagegen, abends nochmal den Computer anzumachen, wenn die Kinder im Nebenzimmer schlafen. Ich kann nur nicht flexibel und außer Haus sein. Für die Kinder brauche ich keine Krankheitstage – es sei denn sie müssten ins Krankenhaus. Und auch ich bin sehr selten krank, da ich durch die gute Vereinbarkeit von Familie und Beruf weniger Stress habe.

Insgesamt sitze ich zwar nur wenige Stunden am Tag aktiv am Computer, aber ich kann darüber hinaus die Projekte im Kopf weiter bearbeiten. Und so löse ich viele Probleme einfach nachmittags auf dem Spielplatz. Einfach so im Kopf statt 10 Stunden täglich im Büro sitzend. Arbeitszeit die mir kein Arbeitgeber so bezahlen würde.

Mein Einkommen orientiert sich nicht an der verbrauchten Zeit sondern an der Qualität der Arbeit.

Auch meinen Kinder reichen 6 Stunden Kindergarten täglich völlig – mehr muss nicht sein und wollen sie auch gar nicht. Ich brauche somit keine längeren Betreuungszeiten in der Kita. Ich verfolge eigene wirtschaftliche und berufliche Ziele und lasse sie mir nicht aufdiktieren. Mir reicht es für mich und meine Kinder verantwortlich zu sein und möchte nicht noch einem Chef oder einer Chefin alles recht machen.

Wie sieht dein Weg zu einer guten Vereinbarkeit von Familie und Beruf aus?

Mein Beispiel ist nur eins von vielen. Aber ich bin mir sicher: Es gibt eine gute Lösung zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf für Alleinerziehende. Und auch für dich. Manchmal muss man von klassischen Pfaden abrücken und eigene Wege suchen. Hätte ich auf die anderen gehört, dann wäre ich niemals selbständig geworden. Denn die Anderen sind in meinem Fall Festangestellte. Viele von ihnen haben versucht mir Angst zu machen. Aber ich habe auf meine Intuition vertraut, mich selbst versucht einzuschätzen und dann einfach gemacht. Falls es schief geht, kann ich mir immer noch eine Festanstellung suchen 😉

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