Better done than perfect

Einfach machen und die Kinder machen lassen

Gut genug reicht völlig aus

„Better done than perfect“ ist ein Spruch aus der Gründerszene. Start-Ups agieren oft nach diesem Leitsatz, der soviel bedeutet wie „einfach mal machen statt in Perfektion zu sterben“. 

Denn wer nach Perfektion strebt, hat sich einfach ein viel zu hohes Ziel gesetzt. Und was bedeutet diese Perfektion überhaupt? Wann ist sie erreicht? Man vergleicht sich dadurch ständig, um zu sehen, wie es andere machen, denn es könnte ja sein, dass die eigenen Perfektionsziele viel zu niedrig angesetzt sind und man die Latte noch viel höher hängen muss. Das hört sich nach viel Arbeit an und wenig Spaß.

Einfach mal machen vs. Perfektion

Wem muss ich mit diesem Perfektions-Ansatz überhaupt etwas beweisen? Müssen meine Kinder jeden Morgen geschniegelt und gestriegelt das Haus verlassen, nur damit niemand mit dem Finger auf mich zeigt und sagt „Ah, da kommen ja wieder die schlumpeligen Kinder der Alleinerziehenden“? Um nur mal ein Beispiel zu nennen.




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Mal ganz im Ernst. Die einzige, die sich in meinem Leben bisher über den manchmal etwas fragwürdigen Muster-Farb-Klamottenmix meiner Kinder aufgeregt hat, ist meine eigene Mutter! Alle anderen haben entweder geschwiegen oder es war ihnen herzlich egal. Sieht man sich dagegen in der Kita oder der Schule um, dann sind geflickte Hosen, abgewetzte Schuhe oder Tüllkleidchen über Jeans keine Seltenheit. Wieso soll ich meinen Kindern ihre Lieblingskleidung vorenthalten und sie in Sachen Kleidung für unmündig erklären? Von den morgendlichen Stress- und Streitpunkten in dieser Sache einmal abgesehen.

Die Selbständigkeit der Kinder

Alleinerziehende und die Selbständigkeit der Kinder
Das ist ein Fall für mein persönliches Veto-Recht

Ich bin sehr froh darüber, dass sich meine Kinder ihre Kleidung morgens selbst heraussuchen und sich selbständig anziehen. Nur hier und da werde ich noch für ein Paar Strümpfe oder einen Knopf gebraucht. Für mich eine immense Entlastung im eng getakteten Zeitplan. Der Preis dafür ist meine persönliche Zurückhaltung, auch wenn es manchmal wirklich schwer fällt. Ein allerletztes Veto-Recht räume ich mir aber als Erziehungsberechtigte dennoch ein, versuche aber so oft es geht nicht davon Gebrauch zu machen. Und so lernen meine Kinder Eigenständigkeit und Verantwortung für sich selbst zu übernehmen.

Bei anderen Kindern aus scheinbar normalen Familien ist das schließlich auch in Ordnung. Aber da man selbst das Gefühl hat diesen latenten Makel „Alleinerziehend“ mit sich herumzuschleppen, denkt man, man steht im Scheinwerferlicht der sogenannten „Anderen“ und „Normalen“. Aber die gibt es gar nicht. Jede Familie ist anders. Keine Familie ohne Probleme. Es gibt keine Richter, die über mich richten, nur mich selbst.

„Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert“

Wie es so schön im Volksmund heißt. Wir sind Alleinerziehende. Wenn man nach den Medien geht, eine rasch wachsende Gruppe am Rande der Existenz. Gefühlt noch unter den Hartz-4-Empfängern angesiedelt.

Hartz4 und Alleinerziehende in der Gesellschaft
Die gefühlte Abstufung von Hartz4-Empfängern und Alleinerziehenden in der Gesellschaft

Was kann man da noch ruinieren? Wir werden immer mehr, also wem müssen wir überhaupt etwas beweisen?

Laut einer amerikanischen Studie wird der Anteil der Alleinerziehenden weiter wachsen. Überträgt man die Ergebnisse der US-Studie auf Deutschland, dann könnte es ab dem Jahr 2045 mehr Alleinerziehende in Deutschland geben als Kernfamilien (Quelle). Dann sind wir die Normalen.

Und die Frau Meyer oder Müller oder Schmidt die in meinen Augen heute noch das Bilderbuch-Familienleben mit eigenem Häuschen und allem Schnickschnack hat, lebt vielleicht heute schon getrennt auch nur noch der Kinder wegen mit ihrem Mann zusammen unter einem Dach.

Der schöne Schein trügt

Hier muss ich noch eine kurze Geschichte los werden: Mein Sohn war einmal bei einer dieser „Traum“-Familien zum Spielen eingeladen. Schickes Eigenheim mit Pool, Frau Meyer-Müller-Schmidt immer tiptop gekleidet und dann auch noch mit sportlicher Traumfigur. Sprich: Alles was mein Selbstbild zum Wanken bringt! Abends beim Ins-Bett-bringen erzählt mir mein Sohn dann, dass der Papa seines Freundes sein eigenes Schlafzimmer im Keller hat. Und er sowas später auch mal haben möchte, wenn er groß ist und eine eigene Familie hat.

Ist das das Vorbild, dass wir unseren Kindern mitgeben wollen? Also Finger weg vom „Perfekt-Sein“. Gut genug reicht völlig aus. Und bei mir hat sich noch kein Kind beschwert, wenn es zum 3. Mal in Folge Nudeln mit Sosse gab statt Quiche oder selbstangebautes Bio-Gemüse. Nichts gegen Bio, ich liebe gesundes Essen. Aber wir müssen für uns und unsere Familie die Balance finden, die zu uns passt. Dann bekommt man auch viel mehr geschafft und die Kinder finden ihr Vertrauen zu uns und in unsere Familie (zurück). Die Grundbedürfnisse nach einem Dach über dem Kopf, Nahrung, Kleidung und anderen Sachen, Liebe und Zuwendung (denn dafür ist dann ja wieder mehr Zeit und Raum) werden befriedigt und obendrein bekommen die Kinder ihre Freiräume, die ihnen helfen später eigenständige Menschen zu werden.

Und zum Schluss

Was mich dagegen anbelangt, so war ich durch die Erziehung meiner Mutter sehr lange verunsichert, welche Kleidung mit welcher kombinierbar ist, ohne den Unmut meiner Mutter oder der „Anderen da draußen“ zu erregen. Daher habe ich ihr noch bis ins Jugendalter mit meinem morgendlichen Dauersatz: „Was soll ich denn anziehen?“ in den Ohren gelegen. Das hat sie ganz schön genervt. Und diese Nerven spare ich mir.

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