Altersarmut und wie wir das Risiko minimieren können | gut-alleinerziehend.de

Altersarmut und wie wir das Risiko minimieren können

Altersarmut – ohne mich!

Die letzten zwei Tage und Nächte war meine Tochter krank. Zwei Tage und Nächte habe ich sie gehegt und gepflegt und ihr beim Kotzen die Haare hochgehalten. Und dank der Ferienzeit sind momentan beide Kinder 24 Stunden am Tag daheim. Das sind meine persönlichen Tiefpunkte. Keine helfende Hand im direkten Zugriff, kein Papa da, der – wenn auch nur einen kleinen Teil – dazu beisteuert, dass es sich auf mehreren Schultern verteilt.

Wie wir im Alter leben wollen

In diesen Momenten wandern meine Gedanken in die Zukunft. Es muss einfach eine gute Zukunft sein. Eine Zukunft ohne Altersarmut. Eine in der ich selbst bestimme, wie ich leben und was ich machen möchte. Ich werde mich dann so oft es geht zufrieden zurücklehnen und ein gutes Gewissen dabei haben, weil ich weiß, was ich alles in meinem Leben geschafft habe. Ich habe fest vor, die Zeit „danach“ so oft es geht zu genießen.



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Aber wie soll das gehen?

Ist es überhaupt möglich? Liest man aktuelle Berichte und Studien zu dem Thema, dann nimmt die Altersarmut in den kommenden Jahren noch einmal drastisch zu – und Alleinerziehende sind durch die schlechte Vereinbarkeit von beruflicher Vollzeitarbeit und familiärer 24-Stunden-Arbeitstage ganz vorne mit dabei. Denn die familiäre Arbeitszeit lässt sich nicht outsourcen – wirft aber auch kein Gehalt ab und rettet somit keine monatlichen Renteneinzahlungen.

Ist das der Preis für das Los „Alleinerziehend“?

Nach einer oft anstrengenden und aufreibenden Lebensphase, die sich unter Umständen viele, viele Jahre hinziehen kann, bleibt dann für uns nur die Angst, im Alter das Leben nicht mehr bezahlen zu können? Altersarmut? Keinen Jackpot, kein „Gehen Sie direkt über Los“ – kein positives Ziel vor Augen? Das kann doch nicht sein! Denn es fühlt sich für mich so an, dass ich aktuell mit der alleinigen Pflege und Erziehung zweier Kleinkinder meinen Preis bezahle. Und es ist ein hoher Preis. Und zum Dank für all die Mühen werde ich im Alter abgespeist mit einer Rente die im Hartz4-Niveau liegt. Warum? Weil ich nicht in Vollzeit gearbeitet habe?!? Doch das habe ich. Nur nicht so wie es für das Rentensystem nötig ist.

Auf das Rentensystem ist kein Verlass!

Wer sich bis jetzt auf Vater Staat verlassen hat, der ist leider auf dem Holzweg. Erst kürzlich lief in den Nachrichten, dass geplant wird die Rente auf ein Eintrittsalter von 69 Jahre anzuheben. Durch diese zusätzlichen Arbeitsjahre und die damit verbundenen Einzahlungen in die Rentenkassen, soll die Rente nach 2025 abgesichert werden. Ah – die Rente ist aktuell nach 2025 also noch gar nicht sicher. Somit also auch meine Rente nicht.

Da wir statistisch alle immer länger leben, mag sich das Anheben des Renteneintrittsalters ja nach einer Lösung anhören. Es ist aber so, dass besonders Frauen im Alter weniger gesunde Jahre zur Verfügung haben gemessen an ihrer Lebenserwartung. Im Alter von 65 Jahren haben Frauen in Deutschland aktuell noch ungefähr gesunde Lebensjahre vor sich. (Quelle). Hat man sich gesundheitlich schon vorher verausgabt – und das passiert bei Alleinerziehenden leider häufig, dann schrumpft die Anzahl noch. Sprich: Ab 70 Jahren geht es für uns statistisch betrachtet bergab, wenn wir nicht gut genug auf uns aufpassen! Da bringt mir dann eine Rente ab 69 auch nicht mehr viel.

Wie hoch deine Rente später vermutlich wird und welche Bausteine der Altersvorsorge es noch gibt, erfährst du in mein Blogartikel „Altersvorsorge und Rente kurz erklärt

Alleinerziehende und das berufliche Vorwärtskommen

Ein weiteres Problem an der Alleinerziehenden-Zeit ist auch die nicht kalkulierbare Länge. Ich kann aktuell nicht sagen, bis wann ich alleinerziehend sein werde. Wer in den 20er Jahren alleinerziehend wird, hat meist davor noch kein nennenswertes Gehalt aufbauen können und schafft es später eventuell nicht mehr in die gut bezahlten Jobs hinein. Wer in seinen 30er oder 40er Jahren alleinerziehend wird, der hat unter Umständen kein „Später“ mehr.

Ich persönlich rechne damit, dass meine Kinder so mit 20 Jahren das Haus verlassen. Denn damit endet offiziell der Status „Alleinerziehende“. Bis die Jüngste geht, bin ich dann fast 60 Jahre alt. Und somit schon fast reif für die Rente. Je größer die Kinder werden, desto selbständiger werden sie. Das ist für das beruflich Vorankommen bzw. das Geld verdienen hilfreich. Leider werden auch die Probleme mit den Kindern größer, Kleidung und Unternehmungen oder Urlaube teurer und die Pubertät ist auch kein Zuckerschlecken.

Wie ich meine Aufteilung zwischen meiner Rolle als Familienernährer und der Familienfürsorge gefunden habe, kannst du übrigens im Beitrag „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“ nachlesen.

Ein Mann ist keine Altersvorsorge

Schnell kommt da die Lösung in den Sinn: Einen neuen Partner finden. Damit ließen sich die Ausgaben für Wohnung und Reisen im besten Fall halbieren oder sogar komplett „auslagern“. Auch ein Auto könnte man sich teilen. Von der Hilfestellung mit den Kindern mal ganz abgesehen. 

Aber wer weiß schon, ob die Beziehung überhaupt hält und sie zu einer Patchwork-Familie taugt? Und wenn wieder alles zerbricht, dann ist man in der eigenen finanziellen Absicherung im Alter keinen Schritt weiter gekommen. Man hat nur ein paar wichtige Jahre beim eigenen Vermögensaufbau verloren und das Problem an den Partner übertragen gehabt, statt sich selbst drum zu kümmern. Mein Lese-Tipp zu diesem Thema ist das Buch Ein Mann ist keine Altersvorsorge: Warum finanzielle Unabhängigkeit für Frauen so wichtig ist*

Die Altersarmut lässt sich durch die Minimierung der monatlichen Lebenshaltungskosten übrigens nicht direkt abwenden. Geld sparen ist die eine Seite, das Geld investieren, um im Alter nicht nur auf die Rente angewiesen zu sein, eine ganz andere. Durch eine neue Lebenspartnerschaft könnte der Teufelskreis mit der Steuerklasse 5 und dem Ehegattensplittung von vorne anfangen. Mehr hierzu findest du in meinem Blogbeitrag „Alleinerziehend mehr Geld verdienen

Besser: Selbst ist die Frau!

Es spricht doch nichts dagegen, sich als Frau selbst um die eigenen Finanzen zu kümmern. Dazu braucht man auch kein Mathe-Ass sein. Und sollte dann doch ein neuer Partner kommen, dann hat man seine Finanzen gut im Griff und rutscht nicht wieder in eine Abhängigkeit oder besser Blauäugigkeit hinein.

Wie kann ich mich um meine eigenen Finanzen kümmern?

Viele Frauen schrecken vor Finanzthemen gerne zurück und sagen, dass sie das nicht verstehen. Dabei ist es im Grunde eigentlich nur wichtig, mehr zu verdienen als auszugeben. Im zweiten Schritt kann man dann die Ausgaben optimieren und sich laufende Verträge und Versicherungen ansehen und Einsparpotentiale ausfindig machen. Gibt es bessere Konditionen bei einem anderen Anbieter? Wie funktioniert meine Rentenversicherung? Sollten Schulden vorhanden sein, dann müssen diese abgebaut werden, bevor Vermögen aufgebaut werden kann.

Einen sehr guten Leitfaden hierzu hat Natascha Wegelin zusammengefasst. Auf ihrem Blog Madame Moneypenny kannst du dich in die Thematik einlesen. Ihre Ideen zum Vermögensaufbau sind wunderbar verständlich geschrieben – und sie richten sich an Frauen. Gerade erscheint auch ihr zweites Buch Madame Moneypenny: Wie Frauen ihre Finanzen selbst in die Hand nehmen können* zu dem Thema:

Was schon Albert Einstein wusste…

Wenn du dann weniger ausgibst als du einnimmst, und das frei verfügbare Geld investierst, dann vermehrt sich jeder Euro auf wundersame Weise, je länger er für dich arbeiten darf.

Albert Einstein wusste um dieses Phänomen. Auf die Frage nach der stärksten Kraft im Universum antwortete er spontan: „Das ist der Zinseszins.” (Zitat)

Was ist der Zinseszins?

Wir alle kennen noch von unseren Sparbüchern die Zinsgutschriften. Da wurde festgehalten, wie viel Zinsen uns die Bank für unser Guthaben gibt. Der Zinssatz bezieht sich dabei immer um die Laufzeit von einem Jahr.

Wen du jetzt 100 Euro sparst, weil du den Lieferservice seltener angerufen hast, oder die Haare selbst gefärbt hast, statt zum Frisör zu gehen, dann werden aus deinen 100 Euro bei 8 Prozent Zinsen nach einem Jahr 108 Euro Guthaben. Die 8 Euro hast du hierbei nicht aktiv erarbeitet, sondern einfach so obendrauf bekommen.

Der Zinseszins greift erst ab dem zweiten Jahr. Dann werden aus den 108 Euro bei 8 Prozent Zinsen 116,64 Euro Guthaben. Aus 8 Euro Zinsen sind 8,64 Euro Zinsen im 2. Jahr geworden und die anfangs gesparten 100 Euro haben jetzt schon einen Wert von 116,64 Euro (100 Euro + 8 Euro Zinsen + 8,64 Euro Zinsen). Und das ohne für die 16,64 Euro aktiv arbeiten gehen zu müssen.

Nach 10 Jahren sind die 100 Euro auf stattliche 215,89 Euro angewachsen und haben den Anfangswert damit schon um 115,89 Euro angehoben und somit mehr als verdoppelt. Nach 30 Jahren sind durch den Zinseszins 1006,27 Euro aus den gesparten 100 Euro geworden. Fast genau das 10-fache von 100 Euro. Das ist die unfassbare Kraft des Zinseszins.

Aus einem eingesparten Frisörbesuch ist 30 Jahre später ein kleines Guthaben geworden. Und so funktioniert das mit jedem Euro, den du heute nicht ausgibst oder mehr dazuverdienst und für dich arbeiten lässt. Versuche dein Geld also nicht unnötig auszugeben. Denn jeder Euro, der heute für irgendein unnützes Teil drauf geht, kann dich morgen nicht vor der Altersarmut schützen. 5 prima Tipps für mehr Geld im Job findest du hier.

Und wo gibt es heute noch 8 Prozent?

An der Börse. Jetzt aber bitte nicht blindlings losstürmen und wahllos irgendwelche Aktien kaufen. Das kann ziemlich nach hinten losgehen. Arbeite dich in das Finanzthema erst ein und lies vor allem Nataschas Blog Madame Moneypenny. Danach kennst du deine monatliche Sparrate und deine finanzielle Strategie.

Lass nur nicht zu viel Zeit vergehen, bis du mit dem investieren anfängst. Jedes Jahr, jeder Monat und jeder Tag, der bis zur Rente ungenutzt verstreicht, schmälert deine Rendite am Ende. Ab 12 Jahren aufwärts lohnt es sich an der Börse zu investieren. Darunter ist das Risiko der Kursschwankungen zu groß. 

Aber ich will mir doch jetzt was gönnen – das Leben ist anstrengend genug!

Ja, ich kenne das Gefühl nur zu gut: Sich jetzt und hier für die ganzen Entbehrungen was gönnen. Ich war selbst schon über Monate Stammkunde beim Konditor und habe täglich ein Stück Sahnetorte in mich reingeschaufelt. Das waren meine besten 5 Minuten am Tag zusammen mit einer Tasse Kaffee. Ich fühlte mich dadurch allen Unwegsamkeiten gewappnet. Nichts war so schlimm, als dass es nicht mit Kaffee und Kuchen gelindert werden konnte. Und weil es immer neue Tiefschläge gibt, wird das Sich-Was-Gönnen-Müssen zum täglichen Selbstläufer. 

Spar es dir! Halte dein Geld zusammen. Gönn dir Ausgewähltes und genieß es, und nicht täglich irgendwelchen Schnickschnack oder Ungesundes. Etwas tun, nur weil alle es tun? Dabei sein wollen im großen Konsum-Mainstream? Wozu? Für ein Leben, das bis zum bitteren Ende Entbehrungen bereithalten wird – heute durch das Los alleinerziehend zu sein und im Alter durch das große Loch im Portemonnaie und im schlimmsten Fall noch durch eine ruinierte Gesundheit?

Du hast es jetzt selbst in der Hand, wie du im Alter leben wirst

Hat dich dein Kind ohne tägliche Konsum- oder Zuckerdosis weniger lieb? Nein. Es wird es dir danken. Oder auch nicht 😉 Du musst nichts kompensieren – Alleinerziehende sind die Alltagsheldinnen unserer Zeit. Wir sind wahre Wunderwerke.

Wir haben es in der Hand uns jetzt gut um unsere Kinder und uns selbst zu kümmern UND im Alter ein würdiges Leben leben zu können. So wie wir es leben möchten – und nicht wie es die spärlichen Reserven zulassen. 

Ich stoße gedanklich auf uns an! Es kann einfach nur eine gute Zukunft sein. Und über eine Rente mit 69 Jahren lache ich – da möchte ich keinen beruflichen Vollzeitjob mehr bestreiten, um der Altersarmut zu entgehen. Da mache ich, was ich will!

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1 Kommentar zu “Altersarmut und wie wir das Risiko minimieren können

  1. Ein ganz toller Artikel, der vielleicht einige Menschen einmal zum Nachdenken anregen wird, denn das Thema Altersarmut ist ein Thema, das jeden von uns angeht. Damit muss sich einfach jeder auseinander setzen.

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