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Eine alleinerziehende Mutter mit Kleinkind am Strand

Alleinerziehend mit Kleinkind – (Ein)Blick abseits der Klischees

Gastbeitrag von Jana von Patschehand.de

Ob in den sozialen Medien, in (mal mehr und mal weniger) humorvollen Büchlein oder Gesprächen mit Eltern: Der Alltag mit Kleinkind scheint eine turbulente, immer wieder nervenaufreibende und kräftezehrende Angelegenheit zu sein. Die jedoch glücklicherweise genau dadurch auch viel Material liefert für Geschichten, die man sich noch in vielen Jahren bei Tante Lisbeths Geburtstag erzählt sowie die ein oder andere Lachträne. 

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Dieser ehrliche, aber dennoch eher positive Blick auf das Leben mit Kleinkind ist jedoch ein vollkommen anderer, sobald die Familienkonstellation zum Thema wird. Ist der Begriff „Alleinerziehend“ einmal gefallen, sind die Themen und Fragen plötzlich andere. Ein positiver Blick oder gar Humor? Fehlanzeige!

Dabei kann der Alltag als Alleinerziehende mit Kleinkind durchaus auch als lebenswert bezeichnet werden. Und ohne gleich zu Beginn des Artikels zu spoilern: Gute Laune, Lachanfälle & jede Menge Optimismus können auch abseits der üblichen Familienkonstellation ihren Platz im Alltag finden. Meine Ratgeber-Tipps für eine Trennung mit Kind findest du hier.

In diesem Post möchte ich allen Frauen und Männern Mut machen, die sich gerade mitten in einer Trennung befinden bzw. immer wieder über eine solche nachdenken und zeigen: Alleinerziehend zu sein ist so viel mehr als das Feststecken in einer Opferrolle. Ehrlich, aber gut gelaunt gebe ich einen Einblick in mein Leben als Alleinerziehende mit Kleinkind mitsamt all seiner Facetten. 

Das Leben als Alleinerziehende mit Kleinkind kann entspannt und fröhlich sein
Keine Lust darauf, dem Klischee der traurigen Alleinerziehenden zu entsprechen. Dafür ist das Leben mit Kleinkind viel zu schön. Trotz aller Herausforderungen.

Nach dem ersten Schock: Die Trennung als Befreiung

Es kam nicht schleichend. Nicht leise. Nicht unerwartet. Trotzdem fühlte sich der Moment, in dem dann das lange schwelende, offensichtliche ausgesprochen war an, als würde mir der Boden unter den Füßen weggezogen. Nicht wegen meiner Trauer um das, was da als Scherbenhaufen vor uns lag. 

Wäre die Trennung von Juniors Papa und mir nur eine Angelegenheit zwischen uns beiden gewesen, wäre wohl das Gefühl der Befreiung das Vorherrschende in mir gewesen. Nun spielte es aber nur eine Nebenrolle. Denn es gab eben nicht nur uns Zwei. In seinem Zimmer schlief unser gemeinsamer Sohn. Und um ihn kreisten alle meine Gedanken. 

Diffuse Schuldgefühle und die ungute Vision, wie künftig jedes Fehlverhalten meines Kindes von mitleidig schauenden Menschen mit „Ja, ein Trennungskind halt“ kommentiert wird in Kombination mit den vielen im Kopf schwirrenden Fragen zur künftigen Gestaltung rund um finanzielle und rechtliche Aspekte begleiteten mich in den kommenden Wochen.

Mit jeder geklärten Frage, jeder getroffenen Absprache und Entscheidung wuchs jedoch die Sicherheit in mir, dass die Trennung der richtige Schritt war. Für mich, Juniors Papa und somit auch Junior selbst. Und eben auch, wie in diesem emotionalen Post kurz nach der Trennung beschrieben, als Chance zu einer glücklicheren Zukunft gesehen werden kann. Was jedoch nicht bedeutet, dass ich emotional im Gleichgewicht war. 

Emotional herausfordernd: Das erste Weihnachten als Alleinerziehende & viele Kugelbäuche im Umfeld

Enorm viel Kraft kostete mich in der ersten Zeit als Single Mom der Versuch, der verlässliche und sichere Hafen für meinen Sohn zu sein. Wenn die Partnerschaft zerbricht und die Zukunft phasenweise unklar erscheint, kann es sich teilweise wie ein Schauspiel anfühlen, Ruhe und vielleicht sogar so etwas wie Zuversicht auszustrahlen.

Stets positiv über den Ex-Partner vor dem Kind zu reden ist nebenbei bemerkt ehrlicherweise eine ganz spezielle Herausforderung. Schließlich gab es, natürlich auch im Hause Patschehand, gewichtige Gründe für die Trennung und das Verhältnis zwischen den Elternteilen ist mindestens belastet. Oder gar zerrüttet. 

Darüber hinaus fiel mir der Abschied vom überall präsenten Idealbild der glücklichen Familie in der Vorweihnachtszeit schwer. In gefühlt jeder Werbeanzeige und in jedem Kinderbuch strahlten mich Bilderbuchfamilien an. Dass genau in dieser Zeit viele zweite Schwangerschaften in meinem Umfeld verkündet wurden, machte es bei aller aufrichtiger Freude nicht leichter für mich. 

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Gefühlt schon lange alleinerziehend

Neben den geschilderten emotionalen Belastungen bemerkte ich jedoch auch schnell einige positive Folgen der Trennung. Denn mit dem Auszug von Juniors Papa zog für mich auch ein Stück Stress und Druck aus.

Menschlich passte es einfach überhaupt nicht mehr zwischen uns. Aus meiner Sicht Nichtigkeiten wurden zum Streitauslöser. Unterschiedliche Werte, Ansprüche und Wünsche für die Zukunft kristallisierten sich in der vergangenen Zeit immer stärker heraus. Und das Gefühl einsam trotz Partnerschaft zu sein, wuchs täglich. 

Sich statt auf das Heimkommen des Partners zu freuen, bereits Sorge vor dem nächsten Krach zu haben, ist kein schönes Gefühl. Den Eindruck, dass ein aufrichtiges Interesse aneinander erloschen, sowie die Begegnung auf Augenhöhe nicht mehr möglich ist, ließ ich einige Zeit lang nicht zu.

Doch ich spürte eine wachsende Wut und Verzweiflung in mir. Darüber, dass wir es nie geschafft haben eine Balance zwischen Geben und Nehmen zu finden seit wir eine kleine Familie waren. Dass ich keine Unterschiede in Sachen Belastung oder Aufgabenteilung sehen konnte, wenn ich mir ein Leben als Alleinerziehende vorstellte. Und dass ich mich rechtfertigen sollte, was ich alles geschafft oder nicht geschafft hatte an den langen Tagen allein mit Kind. 

Gefühlt war ich zum Zeitpunkt des Beziehungsendes schon lange alleinerziehend. Trotzdem hatte ich Angst vor dem Schritt weg vom gefühlten Leben als Single Mom hin zur gelebten Realität. 

Weg mit dem Ballast

Fast sieben Monate später weiß ich nun, dass das Leben in einer unglücklichen Partnerschaft eine viel kräftezehrende Belastung ist als der Alltag allein mit Kleinkind. Dass es sich lohnt, um eine gute Ebene als Elternpaar nach der gemeinsamen Zeit als Liebespaar zu kämpfen. Und dass Familie genau das ist, was sich danach anfühlt. 

An etwas festzuhalten, was sich falsch anfühlt kann niemals Familie sein. Es ist nicht mehr als eine leere Hülle. Eine Fassade. Egal ob für sich selbst, für die Außenwelt oder in der Hoffnung, den Kindern damit Leid ersparen zu können. 

Nach dem Auszug meines Ex-Partners fiel es mir zunehmend leichter meine Wut loszulassen. Unser beider Anteil am Scheitern unserer Beziehung zu erkennen. Und wohl am wichtigsten für unser Kind: Wohlwollend auf seine Stärken als Vater zu blicken. 

Alleinerziehende mit Kleinkind - Jana vom Blog Patschehand.de aus Berlin
Jana vom Blog Patschehand.de aus Berlin gibt Einblicke in ihr Leben als Alleinerziehende mit Kleinkind

Mein Alltag als Single Mom mit Kleinkind

Befreit vom emotionalen und materiellen Ballast der vergangenen Beziehung erlebe ich einen größtenteils glücklichen Alltag mit meinem Sohn. Ob Ausflugsplanung oder meine Prioritätensetzung zu Ungunsten des Haushalts – ich empfinde es als großen Vorteil des Alleinerziehendseins, dass ich mich bei solchen Themen vor niemandem zu rechtfertigen brauche. 

Darüber hinaus lebe und verhalte ich mich nun schlichtweg so, wie ich das möchte. Was alles andere als selbstverständlich ist in einer eingefahrenen und destruktiven Partnerschaft. Eine alleinerziehende Freundin brachte es kürzlich wunderbar präzise auf den Punkt:

„Ich kann endlich wieder ich sein seit der Trennung.“ 

Die größte positive Auswirkung des Lebens als Alleinerziehende ist für mich jedoch die Erkenntnis, dass ich auch in einer Krisensituation auf mich selbst zählen kann.  Und der alleinigen Verantwortung für mein Kleinkind gewachsen bin.

Das fühlt sich nicht immer leicht an. Manchmal stoße ich an meine Grenzen. Doch mittlerweile habe ich wohl auch durch diese enorme Verantwortung gelernt, mehr auf mich zu achten. 

Das betrifft nicht nur die Beachtung körperlicher Signale und Belastungsgrenzen. Sondern insbesondere auch die Wahrung meiner psychisch-mentalen Kraft. Diese Selbstfürsorge hat natürlich auch Einfluss auf den Umgang mit meinem Kleinkind.

Feste Regeln, verlässliche und dennoch nicht zu starre Strukturen und Abläufe sowie eine gewachsene innere Klarheit haben das Familienleben noch ein großes Stück angenehmer gemacht. Mein Sohn spürt wohl, dass die Zeit der Unsicherheit, des Haderns vor und kurz nach der Trennung vorbei ist. 

Alleinerziehend mit Kleinkind: Vor- und Nachteile

Ironischerweise ermöglicht mir die Trennung Auszeiten vom Mama-Leben, die sonst wohl nicht denkbar gewesen wären. Wobei ich anmerken muss, dass Junior erst jetzt mit etwas über 2 ½ Jahren ganze Wochenenden mit bzw. bei seinem Papa erlebt. Auch diese Auszeiten helfen mir dabei, in Balance zu bleiben. Ich habe kein schlechtes Gewissen, wenn ich zugebe, dass ich die Zeiten ohne Nachwuchs in vollen Zügen genieße. 

In Sachen Geld ist es natürlich enger nach der Trennung. Dabei entpuppt sich vor allem die Miete in Berlin-Friedrichshain als hoher Kostenfaktor. Und das obwohl sie vergleichsweise günstig ist.

Da Konsum mir jedoch noch nie wichtig war, ich auch früher schon viel gebraucht gekauft habe und ganz gut haushalten kann, mit dem was da eben so reinkommt, komme ich auch in finanzieller Hinsicht zurecht. Wobei ein Blick auf den Kontostand nun auch keine freudige Euphorie in mir auslöst. 

Platz für Freude oder „Hallo Zukunft

Doch obwohl ich mir meinen positiven Blick nach der Trennung bewahren konnte, spüre ich in mir die Sehnsucht danach, mein Leben mit einem Partner zu teilen.

Dabei befinde ich mich auch hier in einer komfortablen Situation: Ich weiß, dass ich keinen Mann brauche. Für mein Lebensglück bin allein ich verantwortlich. Dieses Glück jedoch mit jemandem teilen zu dürfen, wäre eine wunderbare Bereicherung. 

Ich schaue voller Vertrauen und Zuversicht in die Zukunft meiner kleinen Familie. Und genieße dabei auch die Gegenwart. Alleinerziehend zu sein sollte sich nicht anfühlen wie ein dauerhafter Kampf bzw. wie der ständige Gedanke daran, wann diese schwierige Zeit denn bitte vorbei sein möge.

Verantwortung zu tragen heißt auch ins Handeln zu kommen. Was an erster Stelle eben auch den Blick auf sich selbst beinhaltet. Stärke kommt aus dem Inneren. Kinder spüren das. Und wenn sie uns mal fehlt, ist es vernünftig und wichtig, Hilfe einzufordern oder anzunehmen. 

Für deinen persönlichen Weg, egal an welchem Punkt du derzeit stehst, wünsche ich dir viel Mut, Kraft und die Fähigkeit, deinen Blick für die schönen Dinge des Lebens zu behalten oder wieder zu erlangen. 

Ehrliche, aber gut gelaunte Grüße aus Berlin-Friedrichshain sendet
Jana von Patschehand.de

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