Alleinerziehend was nun

Alleinerziehend was nun?

Was passiert, wenn man alleinerziehend wird? Wie geht es weiter? Was geschieht mit mir und meinem Kind?

Diese und ähnliche Fragen gehen allen Neu-Alleinerziehenden durch den Kopf. Das bisherige Lebensmodell ist auf den Kopf gestellt und kräftig durchgerüttelt worden. Ob man das nun selbst so wollte oder ob es einfach passiert ist, die Hintergründe sind vielfältig. Was genau es bedeutet alleinerziehend zu sein, kann man sich im Vorfeld nicht genau vorstellen und auch nicht, was nun auf einen zu kommt. Aber wir konnten es uns ja auch nicht vorstellen, wie es ist Eltern zu werden, bevor das erste Kind da war.



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Man wächst mit seinen Aufgaben

Oder sollte ich besser sagen „Frau wächst mit ihren Aufgaben“? Fakt ist, dass in Deutschland über 80% der Alleinerziehenden Frauen sind. Das ich beim Schreiben daher oftmals in die weibliche Form verfalle, sei mir verziehen. Auch meine Sichtweise ist weiblich, da ich selbst eine der 1,5 Mio. alleinerziehenden Frauen in Deutschland bin. Wer sich gerne mit Zahlen beschäftigt und erst einmal grundlegendes Wissen braucht, der bekommt hier vom Bundesfamilienministerium (BMFSFJ) Zahlen und Fakten zusammengestellt: Monitor Familienforschung, Ausgabe 28, PDF

Was passiert, wenn man alleinerziehend wird?

Alleinerziehend wie geht es weiter
Wie geht es weiter? Welche Wege und Entscheidungen liegen vor uns?

Hatte man sich bisher im Umgang mit den Kindern recht sicher gefühlt, die Finanzen irgendwie im Griff gehabt und auch das sonstige soziale und berufliche Leben organisiert bekommen, wird nun alles durcheinander gewirbelt. Die Grundsicherheit ist weg, die eigenen Bedürfnisse und die der Kinder bzw. des Kindes prallen aufeinander. Neue emotionale Räume müssen geschaffen werden. Das Geld reicht wohlmöglich nicht mehr und auch der Wohnraum und das Lebensumfeld müssen überprüft werden. Was davon passt noch? Was muss geändert werden? Eine Übersicht über mögliche Geldquellen findest du hier.

Als Erste-Hilfe-Plan gibt es nur einen Tipp: Ruhig werden.

Jetzt überstürzt zu handeln, hilft nicht wirklich. Es ist zu viel, was organisiert und entschieden werden muss und es ist genug Zeit da, um das neue Leben auf die Beine zu stellen. Daher denke jetzt erstmal nur an dich selbst. Was brauche ich? Wie möchte ich zukünftig leben und wo?

Male dir in Gedanken ein Bild von der neuen Situation. Lass dir keine Angst machen weder durch Freunde und Bekannte noch Familie oder von der Medienlandschaft, die Alleinerziehende gerne als die größten Opfer unserer Zeit darstellt. Du bist kein Opfer. Du schaffst das. Also, was brauchst du als Erstes? Einen Kaffee? Mach ihn dir. Ruhe? Dann organisiere dir die Kinder weg, wenn das gerade das Dringendste ist, was du brauchst. Einen Gesprächspartner? Dann ruf deine beste Freundin an oder deinen besten Freund

Wie du es schaffst der negativen Gedankenspirale zu entkomme, das erfährst du hier.

Wie geht es alleinerziehend weiter?

Alleinerziehend und was nun
Mit jedem Schritt bekommst du deine Sicherheit für dich und dein Kind zurück

Immer Schritt für Schritt. Belohne dich regelmäßig und denke unbedingt an Ruhepausen. Ein Neuanfang ist kräftezehrend, aber das Leben geht weiter. Und du wirst rechtzeitig alle nötigen Schritte dafür gehen. Für dich, für deine Kinder und für eure Zukunft.

Das Wichtigste ist: Achte gut auf dich.

Und so kehrt schrittweise deine Sicherheit zurück. Du bist als Alleinerziehende in einen üblen Orkan hineingeschlittert und vor allem für diejenigen, die es plötzlich und unerwartet überrascht hat, ist dass ein heftiger Schock, der lange braucht, bis er überwunden ist. Manchmal geht der Riss so tief, dass eine (Psycho)Therapie nötig ist. Das ist auch vollkommen in Ordnung. Meiner Erfahrung nach steht alleinerziehenden Müttern und Vätern mit Säuglingen durch die Notsituation oftmals schneller ein Therapieplatz zur Verfügung. Einfach mal die nachsorgende Hebamme fragen oder direkt bei einer Psychotherapie-Praxis telefonisch das Problem schildern. Auch ProFamilia bietet persönliche Beratungsgespräche an. Da kann es um Rechtliches gehen oder auch Seelisches, teilweise kostet es ein paar Euro. Einfach mal die ProFamila Beratungsstelle in der Nähe anrufen und nachfragen.

Zur Vorbereitung deiner Scheidung helfen die ProFamilia Beratungsstellen auch weiter. Mehr Infos dazu in meinen Blogbeitrag „Scheidung günstig und gut vorbereiten„.

Mein Buch-Tipp:

Stark und alleinerziehend: Wie du der Erschöpfung entkommst und mutig neue Wege gehst* ist ein sehr gutes Buch für die erste Zeit als Alleinerziehende. Es hilft dir, dich besser zu verstehen und die ersten Schritte zu meistern.

Meine erste Frage nach der Trennung war: Wie kann ich meinem Ex-Partner jetzt aus dem Weg gehen? Wir sind doch getrennt.

Ja, das mag sein. Aber die Antwort ist: Erstmal bleibt alles beim Alten. Es sei denn der Ex-Partner ist schon direkt ausgezogen. Aber gerade mit kleinen Kindern kommt es oft zu der Situation, dass alle weiterhin unter einem Dach wohnen, bis es eine neue Lösung gibt. Und man redet auch wieder miteinander. Mein Ex-Mann und ich haben nach Abklingen des ersten Schocks sogar noch miteinander gelacht und weiterhin alles so organisiert wie wir es als Familie gemacht haben. Hört sich paradox an. Willkommen bei der Trennung 2.0 – mit Familie trennt es sich nicht so einfach wie in Jugendtagen. Das muss man neu lernen. Auch den Umgang miteinander. Denn über die Kinder bleibt man verbunden. Ob man das will oder nicht!

Was geschieht mit mir?

Hilfe und Hoffnung für Alleinerziehende
Alleinerziehende sind nicht alleine, es gibt Hilfe und Hoffnung

Du bist nun zwar alleinerziehend, aber du bist nicht alleine auf dieser Welt. Auch wenn es sich manchmal so anfühlt. Du kannst zwar nicht mehr auf den Partner zurückgreifen, aber dir stehen viele andere Menschen zur Seite, wenn du Hilfe brauchst. Frag danach, es ist vollkommen in Ordnung. Oder nimm die Hilfe an, die dir angeboten wird.

Mich hatte es damals selbst ziemlich unerwartet zwei Wochen nach der Geburt meines zweiten Kindes getroffen. Ich wurde von heute auf morgen alleinerziehend. Wir hatten gerade erst ein Haus gekauft und waren in einen Ort gezogen, in dem ich zu dem Zeitpunkt keine richtigen Freunde hatte. Meine Familie war weiter weg und ich hatte keinen Plan B, der mich absicherte, wenn ich mal die Hände frei brauchte oder selbst krank war. Das war bis dato mein Ehemann gewesen. Aber der wollte das so nicht mehr und zog dann auch recht zügig aus.

Da traf ich eine Nachbarin aus der Straße, wir kamen ins Gespräch und da erzählte sie mir von der Trennung von ihrem Mann. Wir wurden sofort zu „Schwestern in der Not“ und unterstützten uns so lange gegenseitig, bis wir wieder einen Lebensplan hatten und uns aufgerappelt hatten. Sie ging in der Zeit oft mit meiner kleinen Baby-Tochter spazieren, während mein Sohn im Kindergarten war und ich alles weitere regelte und schlussendlich dann auch noch das Haus alleine verkauft bekommen habe.

Und so abgenudelt dieser Spruch auch klingt: „Wenn du glaubst es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her.“ – Er ist wahr. Ich habe es selbst mehrfach erfahren. Das ist meine neue Sicherheit. Und meine Familie vor Ort. Ich bin mit meinen Kindern nämlich wieder in meine alte Heimat zurückgezogen, da es einfach die beste Lösung für uns ist.

In meinem Blogbeitrag „Selbstbestimmung: Schritt für Schritt zurück ins Lebensglück“ erfährst du, wie du dir ein neues, besseres Lebens-Drehbuch schreibst.

Was geschieht mit meinem Kind?

Kinder sind sehr feinfühlige Wesen. Meistens haben sie schon gemerkt, dass sich zwischen den Eltern etwas geändert hat. Vielleicht kam es auch öfters zu Streitereien, die sie mit angehört haben. Daher sind sie viel schneller für die neue Situation aufnahmebereit. Denn wenn sich zwei nicht mehr mögen, dann ist es besser, sie gehen getrennte Wege. Das lernen die Kinder schon im Umgang mit anderen Kindern.

Blöd nur, wenn dadurch Mama oder Papa im Alltag wegfallen.

Das ist die Hürde, die es zu meistern gilt. Da hilft nur viel darüber reden, zu trösten und je nach Altersstufe Bücher zu dem Thema besorgen oder gemeinsam ansehen. Und versuche, die Gespräche mit deinem Kind so neutral wie möglich zu halten und keine Schuldzuweisungen aussprechen. Kinder sind sehr loyal und schlagen sich bei Unrecht auf eine Seite. Sie sollten aber selbst entscheiden dürfen, wie sie das andere Elternteil finden und welche Beziehung sie zu ihm haben wollen.

In erster Linie ist das Kind zutiefst verletzt, weil der Papa oder die Mama es ja durch die Trennung auch verlassen haben. Das sollte man in erster Linie beachten und das Kind darin bestärken, dass der fehlende Papa oder die Mama es immer noch genauso lieb haben wie vorher. Und das die Trennung überhaupt nichts mit dem Kind zu tun hat.

Wie du passende Umgangsregelungen finden kannst, findest du in meinem Blogbeitrag „Umgangsregelung finden für Vater, Mutter, Kind„.

Viele wachsen nur mit Mama oder Papa auf

Es ist auch gut zu wissen, dass das Kind nicht alleine in dieser Situation ist. Heutzutage ist es an sich keine Besonderheit mehr als Mutter das Kind alleine großzuziehen, bei Vätern sieht es dagegen noch etwas anders aus. In Deutschland sind derzeit ca. 157.000 Väter alleinerziehend, dagegen stehen 1,5 Mio. alleinerziehende Frauen. Alleinerziehend sein ist nur eine von vielen möglichen Familienkonstellationen. Knapp 20% aller Familien in Deutschland sind sogenannte Ein-Eltern-Familien, in Großstädten ist die Dichte etwas höher als auf dem Land. Da wird es bestimmt das ein oder andere Kind im Freundeskreis geben, dass auch alleine mit einem Elternteil aufwächst.

Eine Erste-Hilfe Bücherliste für dich und dein Kind findest du hier.

Vielleicht gibt es auch einen Alleinerziehenden-Treff in der Nähe. Dort lässt sich prima Erfahrung austauschen und ein neues soziales Netzwerk aufbauen. Dann gibt es statt sonntäglichen Familien-Besuchen einfach ein lockeres Zusammensitzen mit anderen Alleinerziehenden und ihren Kindern auf dem Spielplatz. Oder man grillt im Sommer zusammen. Das ist auch für die Kinder eine große Erleichterung zu sehen, dass es noch andere Kinder mit gleicher Geschichte gibt. Und das das Leben trotzdem Spaß macht. Einfach mal im Internet nach Alleinerziehenden-Treffs suchen.

Wenn du bei Facebook bist, dann komm in die geschlossene Gut alleinerziehend Gruppe. Dort findet ein guter wohlgesonnener Austausch statt. Du bist herzlich willkommen!
Facebook Gruppe Gut alleinerziehend – Nur für Frauen
Facebook Gruppe Mixed Gut alleinerziehend – Für Papas und Mamas

Alleinerziehende mit Kind werden - wie geht es weiter
Wenn man alleinerziehend wird, sieht man der Zukunft mit Kind mit Angst entgegen. Wie du Schritt für Schritt weiter machst, erfährst du hier.

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