Bei einer Trennung und Scheidung mit Kind werden die Medien für Alleinerziehende schnell zu einer Ersatz-Kinderbetreuung. Was tun, wenn es zu viel wird?

Medien-Nutzung von Kindern und Eltern

Bisher hatte ich es vermieden über den Konsum von Medien auf diesem Blog zu schreiben. Soll doch jeder machen, wie er oder sie es möchte. Aber mit zwei Schulkindern rückt dieses Thema für mich mehr und mehr in den Fokus, vor allem der schnell ausufernde Medien-Konsum. Denn durch die Corona-Krise ist auch bei uns – wie bei so vielen – plötzlich eine wahre Medien-Flut entstanden und ich musste mich mit der neuen Situation erst einmal auseinander setzen. Denn die Nanny „Medien“ ist auch bei mir zu einer schnellen Helferin in der Not geworden:

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Mit „Bibi und Tina“ fing der Medien-Konsum an

Ich weiß noch ganz genau, wie wir im April 2020 angefangen haben, aufgrund von fehlenden Freizeit-Aktivitäten, den ersten kindgerechten Spielfilm als Familie gemeinsam zu schauen. Meine Kinder waren damals 5 und 8 Jahre alt.

Bis dato hatte sich das Filme gucken auf eine halbe Stunde „YouTube“ unter meiner Aufsicht an den Wochenenden oder Ferientagen konzentriert. Denn ein Fernsehprogramm im klassischen Sinne haben wir nicht.

Wohl aber einen Fire TV-Stick* mit dem man in die Mediatheken reinkommt und auch Filme oder Serien ausleihen oder kaufen kann.

Und so zappten meine Kinder – des Lesens mittlerweile mächtig – raus aus der Mediathek und fanden an diesem besagten Tag die Filme. Mit „Bibi & Tina: Mädchen gegen Jungs“* konnten sich beide anfreunden und so starteten wir in unsere steile Medien-Karriere!

„Bitte, bitte, liebe Mama!“

Kennst du das, wenn dein Kind vor dir steht und mit diesen großen Augen, dem flehenden Blick und viel „Bitte, bitte“ etwas erreichen will? (Kennst du, nicht wahr?)

Jetzt stell dir vor, da stehen gleich zwei Kinder vor dir und bitten ein paar Tage später noch einmal einen so schön langen Film gucken zu dürfen.

Wer kann da schon widerstehen und den Fernseher auslassen?

Denn wenn obendrein noch die Home-Office-Arbeit drückt oder man selbst mal ein Telefonat mit der besten Freundin braucht, dann ist man froh über eine kleine „Kinder-Auszeit“.

Ganz besonders während der Corona-Krise, die uns Mütter und Alleinerziehende ja eiskalt auf dem falschen Fuß erwischt hat. Mehr dazu im Blogbeitrag „Der Wert der Mütter in der Krise“.

Kurzfristige Erholung dank der Nanny „Medien“

Die Medien-Nutzung über Handy, Tablet, Computer oder Fernsehen sind für Mutter, Vater und Kind oft eine schnelle Alternative in der Alltagsgestaltung der Familie
Wie alleinerziehende Eltern mit der Vielzahl an Medien umgehen und dem eigenen Kind ein gutes Vorbild sein können.

Und so häufte sich die Anzahl der Film-Tage meiner beiden Kinder. Aber auch ich genoss die geistige Auszeit im Kopf, wenn ich mit beiden auf der Couch saß und einfach mitschaute.

Auch so ein Tablet in Kinderhänden verschaffte mir hier und da Luft, um zu arbeiten oder sorgte für Stille, um eine Podcast-Folge für „Das AE-Team – der positive Podcast für Alleinerziehende“ mit Sina aufnehmen zu können. Daher bin ich einerseits sehr froh, dass es diese Möglichkeit gibt.

Wenn der Medien-Konsum zur Routine wird

Andererseits bemerkte ich schnell, wie wir immer mehr in eine Routine abrutschten und die mit Medien verbrachte Zeit schnell ausuferte. Was eben noch ein Highlight war, wurde plötzlich zu einem neuen Standard.

Denn neben dem Film gucken, etablierte sich auch das Tablet während der Schul- und Kitaschließungen. Hinzu kamen viele Hörspiele und schließlich an Weihnachten noch ein Handy, das eigentlich nur als Fernsteuerung für ein Lego-Auto* dienen sollte.

Dieses Handy hat zwar keine Sim-Karte, aber es lässt sich am Umgangswochenende bei Papa ganz hervorragend mit neuen (Hör)Spielen bestücken. Davon erfuhr ich aber erst, als ich mich darüber wunderte, warum mein Sohn sich sooooo lange in seinem Zimmer allein aufhielt und mit roten Augen wieder rauskam.

Warum sich Erwachsene zunächst an die eigene Nase fassen sollten

Bevor wir nun aber unseren Kinder Vorwürfe machen und mit Sprüchen kommen wie: „Als ich so alt war wie du, gab es noch kein Handy“, lohnt es sich einmal wertfrei die Beobachterrolle einzunehmen und mit offene Augen durch die Welt zu laufen.

Denn unsere Kindheit juckt unsere Kinder nicht die Bohne. Wohl aber die vielen Erwachsenen die auf dem Spielplatz fast schon apathisch ins Handy glotzen!

Oder die Jugendlichen auf dem Schulweg, die das Handy wie auf einem Tablett tragend vor den Mund halten, um Sprachnachrichten aufzunehmen. Das ist die Welt und Kindheit unserer Kinder.

Lieber Vorbild statt Vorwurf

Seitdem mir dieses Verhalten bewusst geworden ist, habe ich einige Dinge verändert. Denn Kinder brauchen ein sichtbares Vorbild und nicht nur leere Worte.

Selbsterfahrung: Ohne Handy rausgehen

So gehe ich mittlerweile ohne Handy mit den Kindern aus dem Haus. Oder lasse es für den Kommunikations-Notfall im Auto. Denn dann kann ich der Versuchung gar nicht erst erliegen und mal „schnell“ die Nachrichten checken.

Das ist eine ganz neue Erfahrung, denn das Handy suggeriert uns Sicherheit auf Knopfdruck. Dabei vergessen wir, dass unsere Eltern und auch wir in unserer Kindheit noch komplett ohne Handy unterwegs waren und die nächste Telefonzelle manchmal weit. Ein echtes Mini-Abenteuer – probier es selbst mal aus!

Mit den Kindern Medien erleben

Weißt du eigentlich, welche Medien dein Kind gerne nutzt? Kennst du dich mit Snapchat, Instagram oder TikTok selbst aus? Oder überlässt du ihnen die Auswahl, ohne dir selbst ein Bild davon zu machen?

Ich für meinen Teil habe mir meine kindliche Neugier behalten und probiere die Apps und Programme mit meinen Kindern gerne erst aus. So weiß ich, was das ist, wie es funktioniert und wo eventuell unpassende Inhalte stecken. Manches davon macht echt Spaß – zum Beispiel die Filter bei Snapchat. Daher befindet sich diese App auch nur auf meinem Handy 🙂

Es gibt also jede Menge zu entdecken und in eine ganz eigene Welt einzutauchen. Informiere dich auch über die Vielzahl der Social Media Kanäle, denn jeder Kanal hat seine eigene Funktionsweise.

P.S. Als mein Sohn unseren Podcast „Das AE-Team“ auf Spotify entdeckte, stieg ich kilometerweit in seinem Ansehen. Seitdem bin ich in seinen Augen „voll fame“.

Beschränkung der Medien-Nutzung

Bei allem Spaß mit den neuen und alten Medien solltest du dein Kind dennoch gut im Auge behalten. Denn die bunten Bilder und die kurzweilige Unterhaltung sorgen schnell für ein regelrechtes Sucht-Verhalten.

Auffällig wird es, wenn deinem Kind sehr oft langweilig ist und es als Lösung nur noch Medien nutzen möchte.

Ja, wir kennen das selbst, dass wir kaum daheim angekommen, erstmal in Ruhe aufs Handy starren wollen. Also wieso sollte dein Kind sich da anders verhalten?

Dennoch gibt es einen Zeitpunkt, an dem aus Entspannung Überforderung wird und sich der vermeintlich positive Effekt ins Negative verkehrt. Dann heißt es raus aus der digitalen Welt und rein in die analoge. Am besten direkt in die Natur.

Klare Regeln aufstellen

Damit nicht jedes Mal Diskussionen bei uns aufbranden, habe ich die tägliche und wöchentliche Medien-Zeit für uns alle beschränkt. Ja auch für mich!

Nach 10 Stunden pro Woche ist Schluss. Wer sein Limit erreicht hat, der darf sich anderweitig beschäftigen und Lösungen gegen die Langeweile finden. Auch die Anzahl der Film(abend)e habe ich auf 3 Stück beschränkt.

Mit dieser Regelung fahren wir aktuell ziemlich gut. Es braucht kein „Bitte, bitte“ mehr und ich bin nicht mehr der manipulierbare Bestimmer am längeren Hebel.

Mit diesen Learnings möchte ich abschließen und dich dazu animieren eigene Beobachtungen und Erfahrungen mit Kindern und deiner eigenen Medien-Nutzung zu machen.

Experimentiere mit eigenen Regeln und Limits, die sich für dich und nicht nur dein Kind stimmig anfühlen. Das erleichtert den Alltag ungemein. Und so genießen wir alle unsere kleine Medien-Auszeit, die nicht mehr mit Gemaule endet.

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