Offener Brief an die Regierung in der Corona Krise - verlesen in dieser Folge des Podcasts "Das AE-Team"

Offener Brief an die Regierung zur Corona-Krise – Podcast

Herzlich willkommen zu einer neuen Folge #8 von „Das AE-Team – der positive Podcast für Alleinerziehende“ mit einer weiteren Spezial-Folge zu der anhaltenden Krise und unserem offenen Brief an die Regierung.

Seit über zwei Wochen sind die Kitas und Schulen geschlossen. Und so langsam wird uns allen klar, dass die unentgeltlich eingeforderte Zusatzarbeit in Form von Home-Schooling und Kinderbetreuung für Familien und vor allem Alleinerziehende zu einer kaum stemmbaren Hürde geworden ist.

Aus diesem Grund haben Sina und ich einen offenen Brief an die Bundesregierung und die Länder verfasst und erzählen hier, was uns dazu veranlasst hat:

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Podcast Das AE-Team - Folge 8 Offener Brief an die Regierung in der Corona-Krise
Die Corona-Krise zeigt vor allem eins: Die Arbeit von Müttern, Alleinerziehenden und betreuenden Vätern ist so wertvoll und gleichzeitig so wertlos, wenn es ums Geld geht.

Offener Brief an Bundesfamilienministerin Giffey und die Bundesländer

Sehr geehrte Frau Bundesfamilienministerin Giffey, 
sehr geehrte Landesregierungen,
 

mit diesem Schreiben möchten wir Sie auf die äußerst schwierige Lage hinweisen, in die Sie Alleinerziehende und insbesondere alleinerziehende Selbständige gebracht haben. Durch den Beschluss, Kitas und Schulen für unabsehbare Zeit zu schließen, haben Sie den im Grundgesetz verankerten staatlichen Erziehungsauftrag an uns Eltern übertragen. Wir Eltern wurden zwangsrekrutiert und in den Staatsdienst gestellt. 

Für die zahlreichen berufstätigen alleinerziehenden Mütter und Väter ist diese Situation unerträglich. Neben der ohnehin schon vorhandenen Doppelbelastung von Familie und Beruf kommt jetzt während der Schließung von Kitas und Schulen der staatlich verordnete Zwang, auch während der Arbeitszeiten parallel die Kinder betreuen zu müssen. Dies ist nicht miteinander vereinbar. 

Angestellte Alleinerziehende sind dadurch gezwungen, Überstunden abzubauen. Wenn diese Möglichkeit ausgeschöpft ist, bietet der Staat den betroffenen Müttern und Vätern an, ihnen 67 % ihres Nettoeinkommens zu gewähren. 

Sie stellen damit die Betroffenen gleich mit den Beziehern von Arbeitslosengeld I, die gar keiner Erwerbstätigkeit nachgehen. Dies ist in unseren Augen eine beispiellose Herabwürdigung von berufstätigen Alleinerziehenden. Ein 100%iger Lohnausgleich wäre das Mindeste, was diese in der jetzigen Situation vom Staat erwarten können. 

Für selbständige Alleinerziehende, die wie alle Alleinerziehenden auch Alleinverdiener für ihre Familie sind, ist die Kinderbetreuung eine Voraussetzung für ihre Arbeit. Sie übernehmen in der jetzigen Situation nicht nur zusätzlich die Aufgaben von Kita und Schule, sondern können deshalb ihre beruflichen Aufträge aus zeitlichen Gründen nicht mehr erfüllen und erleiden gravierende, existenzbedrohliche Einkommenseinbußen. Wegen vermeintlicher Unzuverlässigkeit stehen außerdem Reputation und Folgeaufträge auf dem Spiel. Die Arbeitskraft der selbständigen Alleinerziehenden ist durch den Staat „gebucht“. Und wer bucht, muss in unseren Augen auch dafür bezahlen . . . 

Sehr geehrte Frau Giffey, 
sehr geehrte Landesregierungen, 

scheinbar sind Sie der Auffassung, dass die Arbeitszeit von Alleinerziehenden keinen (vollen) Wert besitzt. Wir Eltern gehen aktuell nicht nur einer Erwerbstätigkeit nach, sondern gleich mehreren, weil wir parallel zum Job als unbezahlte Hilfskräfte die Aufgaben von Erziehern/ innen und Lehrern/innen wahrnehmen müssen. 

Gerade in der jetzigen Situation sollte den verantwortlichen Politikern/innen in unserem Staat klar werden, welche eminent wichtigen Wirtschaftsfaktoren alleinerziehende Eltern sowie die Arbeitnehmer/innen im Bereich der Care-Arbeit darstellen. Vor allem von uns Müttern wird erwartet, unentgeltlich jede Hürde zu nehmen. Das ist nicht fair. 

Jetzt ist für die Politiker/innen der richtige Zeitpunkt zu zeigen, wie viel ihnen diese Stützpfeiler unserer Wirtschaft wert sind. Zeigen Sie es uns und bessern Sie finanziell nach! 

P.S.: Wir möchten Sie höflich darum bitten, unseren Brief bis zum 14.04.2020 zu beantworten. Sollten wir keine Antwort erhalten, werden wir in vielfacher Hinsicht öffentlich aktiv, um unseren Anliegen Nachdruck zu verleihen und eine breite Aufmerksamkeit zu verschaffen. 

Herzlichen Dank, 
Sina Wollgramm & Silke Wildner (Das AE-Team – Podcast)

Mitunterzeichnet von:
Iskra Danova, Stefanie Bathe, Andrea Köhler, Elena Gebhardt, Denise Koch, Danja Weber, Kristin Winter, Martina Lohmann, Julia Grallert, Bianca Clauß, Tanja Kühnlein, Sandra Weinberger, Kristina Niehoff, Simone Hirsch, Claudia Niedermeier, Stefanie Schmidt, Tanja Kulmus, Meike Siemens, Kristin Wyrwa, Sylvia Hofmann, Verena Meye, Ireen Einert 

9.4.2020 – Mitunterzeichnet von:
Katharina Korte, Kerstin Linnartz, Stefanie Richter, Beatrice Biesold, Gudrun Herre, Nina Albersmann, Vivien Hintz, Anne-Kathrin Gitter, Franziska Klasson, Daniela Schulz, Kathrin Leibfried, Renate Volz, Yvonne Heinz

14.4.2020 – Mitunterzeichnet von:
Inna Müller, Melanie Sievers 


Den offenen Brief an die Regierung kannst du runterladen und teilen:

Offener Brief an Bundesfamilienministerin Giffey und die Landesregierungen, aktualisiert 14.04.2020 (PDF)

Wenn du den offenen Brief an die Regierung mitunterzeichnen möchtest, dann mail uns deinen vollständigen Namen und eine kurze Einverständiserklärung:
Ja, ich möchte den Brief unterzeichnen

Der Wert der zusätzlichen Betreuungsarbeit

Kinderbetreuung und Erwerbsarbeit ist parallel nicht zu vereinbaren! Das erfährt gerade jeder, der mit Kindern versucht im Home-Office zu arbeiten. Aber wieso wird diese zusätzlich verteilte Betreuungsarbeit nicht einfach bezahlt? Mehr dazu im Blogbeitrag „Der Wert der Mütter in der Krise“

Alle bisher erschienenen Podcast-Folgen im Überblick

#1 – Plötzlich alleinerziehend, was nun?
#2 – Erste Schritte nach der Trennung mit Kind
#3 – Vorurteile gegenüber Alleinerziehenden
#4 – Gefühle und Emotionsmanagement
#5 – Kindesunterhalt und Unterhaltsvorschuss
#6 – Alleinerziehend, deine Heldenreise
#7 – Alleinerziehend in der Corona-Krise
#8 – Offener Brief an die Regierung zur Corona-Krise
#9 – Wie gute Gedanken dir helfen
#10 – Trennung und Scheidung gut vorbereiten
#11 – Corona: Finanzielle Misere für Alleinerziehende
#12 – Interview: Der eigene Anteil an der Trennung
#13 – Das Hin und Her in der Corona-Krise
#14 – Die Finanzen regeln Teil I
#15 – So findest du Motivation für die Finanzen Teil II
#16 – Interview: Alleinerziehend in Immobilien investieren
#17 – Kommunikation mit dem Ex

Wenn du wissen möchtest, wie dieser Podcast entstanden ist, dann findest du mehr darüber im Blogbeitrag „Das AE-Team – Der positive Podcast für Alleinerziehende“.

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Was bedeutet die Corona Krise finanziell für dich?

Lass mir deine Gedanken zum offenen Brief und zum Wert der Kinderbetreuung und des Home-Schoolings in den Kommentaren da. Wie viel ist deine Arbeit wert bzw. geht dir durch die zusätzliche Betreuungsarbeit an bezahlter Arbeitsleistung flöten?

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