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Beim Unterhaltsvorschuss wird das gesamte Kindergeld abgezogen

Unterhaltsvorschuss und seine Besonderheiten

Kinder kosten Geld und werden nicht alleine von Luft und Liebe groß. Damit finanziell deine Luft nicht zu dünn wird, wenn der Kindesunterhalt ausbleibt, kannst du Unterhaltsvorschuss beantragen. Was das genau ist und was für Besonderheiten damit einhergehen, das erfährst du jetzt.

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Was ist der Unterhaltsvorschuss?

Der Unterhaltsvorschuss ist eine staatliche Leistung nach dem Unterhaltsvorschussgesetz. Du kannst ihn beantragen, wenn du dein Kind (überwiegend) alleine großziehst, aber der Kindesunterhalt vom anderen Elternteil nicht oder zu gering gezahlt wird.

Gleiches gilt wenn ihr als Eltern noch in Verhandlungen steht und die Höhe des Kindesunterhaltes noch nicht geklärt ist. Auch dann kannst du zur Überbrückung direkt nach der offiziellen Trennung (Definition Alleinerziehende) Unterhaltsvorschuss beantragen. Denn die Kosten für das Kind lassen sich ja nicht einfach anhalten.

Essen muss gekauft werden und aus der Kleidung wachsen die Kinder schneller raus, als man gucken kann. Auch Kita und Schule bringen regelmäßig Kosten mit sich und die Mietkosten für die Wohnung fallen auch jeden Monat an.

Und genau dafür hat dein Kind immer einen Anspruch auf Kindesunterhalt, wenn ihr als Eltern getrennte Wege geht. Der Kindesunterhalt berechnet sich nach der Düsseldorfer Tabelle. Die Berechnungsgrundlage ist das Einkommen des Elternteils, bei dem das Kind nicht überwiegend lebt. Auch das Alter des Kindes spielt eine Rolle bei der Berechnung.

Die aktuelle Düsseldorfer Tabelle, und wie genau sich daraus der Kindesunterhalt berechnen lässt, findest du hier.

Für den Anspruch auf Unterhaltsvorschuss ist dein eigenes Einkommen übrigens unerheblich. Es sei denn, du verdienst unverschämt viel. Aber dann würdest du diesen Artikel vermutlich nicht lesen 😉

So berechnet sich der Unterhaltsvorschuss und weitere Besonderheiten
Der Unterhaltsvorschuss ist für viele Alleinerziehende ein Segen, weil 75 Prozent der Kinder zu wenig oder gar keinen regulären Kindesunterhalt bekommen. Aber warum ist das nur so wenig Geld?

Unterhaltsvorschuss und seine Besonderheiten

Der Unterhaltsvorschuss wird für Kinder bis zum 18. Geburtstag ausgezahlt. Ein Glück! Denn bis Juli 2017 war mit 12 Jahren Schluss – gerade dann, wenn Kinder anfangen richtig Geld zu kosten. Auch die zeitliche Begrenzung auf einen Bezugszeitraum von maximal sechs Jahren wurde aufgehoben.

Aber: Ist dein Kind 12 Jahre und älter, dann bekommst du den Unterhaltsvorschuss nur, wenn du selbst monatlich mindestens 600 Euro monatlich brutto verdienst. Und wenn dein Kind 18 Jahre alt wird, ist es vorbei mit dem Unterhaltsvorschuss. Aber nicht jedes Kind ist dann schon in der Lage sein eigenes Geld zu verdienen!

Das ist eine Ungerechtigkeit, auf die mich eine alleinerziehende Mutter aufmerksam machte, deren Kind gerade 18 Jahre alt wird. Denn ein Kind für das regulär Unterhalt gezahlt wird, bekommt Kindesunterhalt bis es die erste berufliche Ausbildung abgeschlossen hat! (Quelle: Finanztip)

Antrag auf Unterhaltsvorschuss beim Jugendamt

Den Unterhaltsvorschuss kannst du beim Jugendamt beantragen. Dort wirst du auch beraten. Das Jugendamt übernimmt ebenfalls die Einforderung des Kindesunterhaltes beim unterhaltspflichtigen Elternteil.

Beim Jugendamt lässt sich auch eine Beistandschaft einrichten. Darüber wird versucht, den Zahlungspflichtigen zur Zahlung des Kindesunterhalts zu bewegen. Was gut für dich wäre, denn der gezahlte Kindesunterhalt ist IMMER höher als der Unterhaltsvorschuss!

Um den Unterhaltsvorschuss zu bekommen ist auch kein gerichtliches Unterhaltsurteil gegen den Zahlungspflichtigen erforderlich.

Welche Unterlagen werden benötigt?

Für den Antrag brauchst du deinen Personalausweis oder Reisepass, die Geburtsurkunde deines Kindes und den Scheidungsbeschluss (falls vorhanden).

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So berechnet sich der Unterhaltsvorschuss

Der Unterhaltsvorschuss basiert auf der eingangs erwähnten Düsseldorfer Tabelle. Die Berechnung ist Kindesmindestunterhalt (oberste Zeile in der Tabelle) MINUS ganzes Kindergeld. Leider!

Seit Juli 2019 beträgt der Unterhaltsvorschuss monatlich für dein Kind:
0-5 Jahre: 150 Euro
6-11 Jahre: 202 Euro
12-17 Jahre: 272 Euro

Und da sind wir schon bei der größten Besonderheit, die viele nicht verstehen. Wieso wird für den Unterhaltsvorschuss vom Mindestunterhalt das ganze Kindergeld abgezogen? Würde es sich um einen vom Zahlungspflichtigen gezahlten Kindesunterhalt handeln, würde nur das halbe Kindergeld abgezogen werden (Zahlbetrag)!

Der Staat stellt hier also Personen schlechter, die auf den Unterhaltsvorschuss angewiesen sind. Tut aber nichts, um die Zahlungsmoral bei den Zahlungspflichtigen anzukurbeln.

Und das, obwohl es um die Zahlungsmoral unter den Zahlungspflichtigen in Deutschland nicht gut bestellt ist. 50 Prozent der Kinder erhalten keinen Unterhalt und 25 Prozent der Kinder bekommen zu wenig oder unregelmäßig Unterhalt vom Unterhaltspflichtigen gezahlt! (Quelle: Finanzplaner Alleinerziehende*)

Kleiner Tipp: Wenn bei euch der Zahlungspflichtige nur sehr wenig Kindesunterhalt zahlt oder zahlen kann, dann kannst du diesen Betrag bis zum Unterhaltsvorschuss aufstocken.

Unterhaltsvorschuss und das Kindergeld

Der Unterhaltsvorschuss ist also an das gesamte Kindergeld geknüpft. Steigt das Kindergeld wie es im Juli 2019 der Fall war, dann sinkt gleichzeitig der Unterhaltsvorschuss um die volle Summe.

Da das Kindergeld zum 1. Juli 2019 um 10 Euro gestiegen ist, sank der Unterhaltsvorschuss direkt um 10 Euro!

Die Kindergelderhöhung kommt in alleinerziehenden Familien mit Unterhaltsvorschuss also nicht an. Gleiches gilt bei Hartz-4-Bezug. Denn der Unterhaltsvorschuss wird bei Sozialleistungen als Einkommen betrachtet und somit auch bei Hartz4, Wohngeld, Kinderzuschlag und Sozialhilfe voll angerechnet.

Diese Berechnung fußt auf der Tatsache, dass mit dem Kindergeld und dem Unterhaltsvorschuss zusammen das Existenzminimum des Kindes gesichert ist. Hm, ein Existenzminimum lässt aber bestimmt noch Wünsche offen und ist kein Rund-um-Sorglos-Paket.

Wieso wird in Haushalten mit finanziellen Sorgen so auf jeden Euro geschielt, während das Kindergeld ansonsten fern des Existenzminimums auch an wohlhabende Familien ausgezahlt wird?

Laut werden gegen diese Ungerechtigkeit

Genau diese Ungerechtigkeit für Alleinerziehende mit Unterhaltsvorschuss bringt jüngst der WDR-Beitrag von FrauTV zur Sprache „Zehn Euro mehr Kindergeld, aber nicht für Alleinerziehende!“

Aber so ganz neu ist diese Erkenntnis nicht. Bei YouTube bin ich auf einen sage und schreibe 10 Jahre alten Film gestoßen von Frontal21 (ZDF), der ebenfalls die Verrechnung des Kindergeldes auf Sozialleistungen anprangert:

Heute wie vor 10 Jahren wird das Kindergeld als Einkommen gewertet und einfach „verrechnet“.

Mach mit bei der Petition!

Geändert hat sich bis heute nichts, daher wird es Zeit, dass sich wirklich was ändert. Elena Fronk aus dem WDR-Beitrag von FrauTV hat eine Petition mit dem Titel „Ungerechtigkeit stoppen: Trennungskinder gehen bei Kindergelderhöhung leer aus“ gestartet.

Mach mit, gib deine Stimme und lass uns gemeinsam sichtbar und laut werden. Denn wenn wir nichts tun, dann wird sich auch in den nächsten 10 Jahren nichts ändern. So viel ist sicher!

Mehr Unterhaltsvorschuss ab 1. Januar 2020

Kommen wir noch zu den guten Nachrichten rund um den Unterhaltsvorschuss: Wie das Bundesministerium für Familien, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) berichtet, steigt der Unterhaltsvorschuss zum 1. Januar 2020. Er beträgt dann monatlich für dein Kind:
0-5 Jahre bis zu 165 Euro
6-11 Jahre bis zu 220 Euro
12-17 Jahre bis zu 293 Euro

Allerdings wird diese Erhöhung nicht nur Beziehern des Unterhaltsvorschusses zuteil. Denn die ersten Infos zur neuen Düsseldorfer Tabelle für 2020 prognostizieren genau diese Steigerungen der Bedarfssätze:

„Es wird vermutet, dass der Mindestunterhalt für Kinder bis zum 5. Lebensjahr um 15 Euro angehoben wird. Eine Erhöhung von voraussichtlich 18 Euro wird es bei den Kindern zwischen dem 6. und 11. Lebensjahr geben. Um 21 Euro wird vermutlich der Unterhaltsbetrag für die Kinder zwischen dem 12. und 17. Lebensjahr steigen.“ (Quelle: anwalt.de)

Der 1.1.2020 bringt auch Neuerungen beim Kinderzuschlag

Wie genau die Zahlen zum Unterhaltsvorschuss und zur Düsseldorfer Tabelle zum 1.1.2020 dann aussehen, das werden wir noch sehen. Fest steht auf jeden Fall jetzt schon, dass zum 1.1.2020 die Höchsteinkommensgrenze beim Kinderzuschlag entfällt. Ein neuer Antrag kann sich hier für dich lohnen.

Und eine weitere Neuerung gibt es ab dem 1. Januar 2020. Ab diesem Zeitpunkt kannst du den Kinderzuschlag auch bekommen, wenn du mit Kinderzuschlag plus Wohngeld 100 Euro unter dem SGB II Anspruch bleibst.

Komm in die Facebook Gruppe

Wenn du deine Erfahrungen zum Unterhaltsvorschuss mit anderen Alleinerziehenden teilen möchtest, dann komm in diese geschlossenen Facebook Gruppen:
Gut alleinerziehend Gruppe – Nur für Frauen
Gut alleinerziehend Mixed Gruppe – für Papas und Mamas

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