Einsamkeit zur Grillsaison: Warum werden Alleinerziehende so selten bei Kernfamilien eingeladen?

Einsamkeit rund um die Grillwurst

Mit den ersten warmen Frühlingstagen erwacht ja nicht nur die Natur, sondern auch das Griller-Gen in vielen Menschen zu neuem Leben. Seit Tagen liegt bei uns wieder dieser verführerische Duft in der Luft und liegt mir in der Nase. Aber seit einem Jahr verbinde ich mit Grillen Einsamkeit statt Lebensfreude.

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Woher kommt die Einsamkeit?

Vor einem Jahr saß ich an einem sehr schönen warmen Frühlingsabend mit meinen beiden Kindern auf dem Balkon zum Abendessen. Nein wir haben nicht gegrillt, denn das ist in dem Mehrfamilienhaus, in dem wir jetzt wohnen, leider verboten. Die Nachbarn könnten sich von dem Qualm und Geruch ja gestört fühlen.

Unsere Hausordnung gilt aber nicht für die drei angrenzenden Gärten. Und so wird da oft und gerne gegrillt. Auch mein Ex-Mann und ich hatten früher gerne abends noch den Grill angeschmissen. Noch ein Bierchen dazu und mal die Beine hochlegen. Herrlich. Aber irgendwann hatte sich das abgenutzt, so dass ich eigentlich keine große Lust mehr auf Grillen hatte.

Woher kam also meine plötzlich aufkeimende Sehnsucht und Einsamkeit? Was versetzte mir den Stich mitten ins Herz? Es waren die Stimmen aus Nachbars Garten. Stimmen, die ich sehr gut kannte und die da zusammen aßen und lachten. Stimmen, die zu zwei Papa-Mama-Kind-Familien gehörten.

Alleinerziehende sind bei Grillabenden fehl am Platz

Mir ist damals fast mein Abendbrot aus der Hand gefallen. Wieso sind wir nicht eingeladen? Und schlimmer noch: Wieso lädt uns eigentlich nie eine Familie zu einem gemeinsamen Grillabend ein? Oder überhaupt zu einem gemeinsamen Wochenendausflug?

Da fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Weil ich Alleinerziehende bin! Alleinerziehende sind mit Kernfamilien nur in einem gewissen Grad kompatibel. Verabredungen der Kinder oder gemeinsame Treffen auf dem Spielplatz oder im Schwimmbad sind kein Problem. Aber aus dem gemütlichen Teil werden wir ausgeschlossen. Warum?

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Isolation und Einsamkeit auf der Spur

Eine Bekannte von mir – ebenfalls Alleinerziehende – berichtete mir von einem ähnlichen Phänomen. Egal wie gut sie sich mit einer anderen Mutter verstand, sobald diese Mutter Teil einer Kernfamilie ist, wurde sie am Wochenende immer ausgeschlossen. Auch andere Frauen haben mir ähnliche Fälle berichtet. Waren sie als Teil eines Paares noch sehr gern gesehene Gäste und konnten sich vor Einladungen kaum retten, so änderte sich das schlagartig als sie Alleinerziehende wurden.

Hat sich unsere Aura geändert, sind wir keine guten Gäste mehr oder ist das alles Übertreibung? Aber Fakt ist, dass fast keine meiner alleinerziehenden Freundinnen bisher bei einer befreundeten Kernfamilie eingeladen worden war. Woran liegt das? Einige von uns tippen darauf, dass die Mütter Angst haben, wir könnten ihre Männer ausspannen. Hm, ich bin da anderer Meinung.

How to talk to a superwoman?

Hast du schon mal mit einem Superhelden am Tisch gesessen? Oder einer anderen Person, die Unglaubliches in ihrem Leben geleistet hat. Über was redet man da? Wo gibt es Anknüpfungspunkte? Vermutlich nicht sehr viel. Das ist auch der Grund, warum Superman in seiner Festung der Einsamkeit sitzt und nicht im Garten mit einer Grillwurst in der Hand.

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Ich stellte mir bildlich vor, wie es für mich wäre, im Nachbarsgarten zu sitzen. Über was würden wir reden? Es fiel mir tatsächlich sehr schwer über gemeinsame Gesprächsthemen nachzudenken. Denn jedes Thema, dass nicht ganz auf der Oberfläche schwamm, würde zum Scheitern verurteilt sein. Urlaubsplanung? Das fragt keiner eine Alleinerziehende, die gesellschaftlich vorneweg als arm abgestempelt ist. Job? Auch ein heikles Thema, denken viele. Kinderbetreuung? Ha ha, lassen wir das.

Ganz ehrlich. Mir fällt nicht wirklich viel ein, worüber ich bei einem Bier und einer Wurst reden möchte. Happy-Family-Geschnatter geht mich nichts an. Ich habe viel tiefgreifenderen Gesprächsbedarf und wenn ich wissen will, wie das Wetter wird, dann guck ich auf mein Handy.

Dann mache ich es eben ganz alleine

Und da fiel es mir zum zweiten Mal wie Schuppen von den Augen: Ich brauche das nicht. Ich will kein Teil eines familiären Grillabends werden, wenn ich das Gefühl habe, nicht frei sprechen zu können. Aber: Ich will Grillen und das so oft ich will in dieser Saison. Es geht mir schlicht und ergreifend um die Wurst!

Als ich das begriffen hatte, schmerzte mich der Duft nicht länger. Er motiviert mich jetzt dazu, mir eine Elektrogrill-Ausrüstung für den Balkon* zu besorgen. Denn das ist auf dem Balkon erlaubt! Danach werde ich meine Kinder entsprechen einweisen, damit wir ungetrübte Stunden mit Wurst, Kaltgetränk und Grill gemeinsam erleben können. Und wenn wir was über haben, frage ich einfach die Nachbarn, ob sie etwas davon möchten. Oder proste ihnen zu. Ich wünsche uns schöne Sonnentage und lauschige Abende!

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Gegen „Einsamkeit“ hilft Gemeinschaft. Daher komm für direkten Austausch mit mir und vielen anderen Alleinerziehenden in die geschlossenen Facebook Gruppen:
Gut alleinerziehend Gruppe – Nur für Frauen
Gut alleinerziehend Mixed Gruppe – für Papas und Mamas

Einsamkeit rund um die Grillwurst - Warum werden Alleinerziehende selten eingeladen?
Wenn die Grillsaison startet, beginnen wieder die Familienfeste – nur Alleinerziehende sind selten Gäste bei Kernfamilien und spüren eine große Einsamkeit. Warum ist das so?

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