Astrid Lindgren Hausfrau, Mutter und dann Autorin

Astrid Lindgren – von der Hausfrau zur Autorin

Teil 2
„Ich werde niemals Schriftstellerin“

Das waren die Worte der jungen Astrid zu Schulzeiten. Ein Glück hat sie das nicht wahr gemacht! Bis zu ihrem Tod schrieb Astrid Lindgren ganze 70 Kinderbücher. Ihr letztes Buch war Ronja Räubertochter* – und da war sie schon über 70 Jahre alt.

Aber das eine Weltklasse-Autorin in ihr schlummerte, hatte sie lange Zeit ignoriert. In ihrer beruflichen Laufbahn machte sie halt bei einer Zeitung, war Sekretärin, Schreibkraft und Stenografin, las zwischenzeitlich private Briefe für den Geheimdienst während des 2. Weltkriegs und wurde Ehefrau, Mutter und eine Zeitlang Hausfrau. Erst nach und nach wurde das Schreiben für sie ein Ventil, um ihre Erlebnisse und Erfahrungen verarbeiten zu können.

Ab 1933 veröffentlichte Astrid Lindgren ein bis zwei Kurzgeschichten pro Jahr in Magazinen, anfangs sogar noch anonym. Von ihrem späteren Erfolg war da noch nichts zu sehen.

Erst als ihre siebenjährige Tochter krank im Bett lag und ihre Mutter mit dem von ihr selbst ausgedachten lustigen Namen Pippi Langstrumpf konfrontierte, kam der schriftstellerische Stein ins Rollen. Astrid fand den Namen so außergewöhnlich, dass er ihre Fantasie beflügelte: Pippilotta Viktualia Rollgardina Pfefferminz Efraimstochter Langstrumpf, „Pippi“ genannt, wurde geboren.

Mit Pippi Langstrumpf fing alles an

Die Geschichte des stärksten Mädchens der Welt gefiel Tochter Karin so sehr, dass Astrid sich immer neue Geschichten ausdenken musste, und sie schließlich für sich und ihre Tochter aufschrieb. Eine Kopie des Manuskriptes reichte sie bei einem Verlag ein, bekam aber eine Absage. Pippi sei kein Mädchen, an dem man sich ein Beispiel nehmen sollte.

Tja, auch bei einer zukünftigen Weltbestseller-Autorin läuft nicht alles rund (siehe meinen Blogbeitrag zu Joanne K. Rowling) und zeigt aber auch, dass man sich von einer schlechten Kritik nicht beirren lassen sollte. Aber Astrid Lindgren glaubte fest an die Geschichte und reichte eine leicht überarbeitete Fassung von Pippi Langstrumpf bei einem Wettbewerb für das beste Mädchenbuch ein. Und siehe da, Astrid gewinnt den 1. Preis und das Buch erschien pünktlich zum Ende des 2. Weltkriegs.  Die Geschichte verbreitete sich in der ganzen Welt.




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Aber es gab nicht nur positive Stimmen, viele Kritiker meldeten sich zu Wort: Pippi sei ein schlechtes Vorbild und nicht ganz „normal“. Selbst am Seelenzustand der Autorin wurde gezweifelt, da sie Pippi Schuhcreme essen ließ und fluchen wie ein Seeräuber.

Da sieht man mal wieder, was sich Erwachsene für die Erziehung ihrer Kinder wünschen! Nur nicht aus der Reihe tanzen und schön im Strom mit schwimmen. Astrid Lindgren erfand mit Pippi Langstrumpf jedoch eine ganz neue Art von Kinderbüchern und trotzte den Kritikerstimmen. Sie war vom Erfolg beflügelt und schrieb die darauffolgenden Geschichten und Bücher so wie sie es für richtig hielt und nicht so, wie es von ihr verlangt wurde. Aus der Schreibkraft war eine Autorin geworden. Die beste Kinderbuchautorin der Welt!

 Ich liebe Lotta und die
Kinder aus der Krachmacherstraße*

Autorin, Lektorin, Mutter und Ehefrau

Aber wer jetzt denkt, dass sich Astrid Lingren nach dem ersten Erfolg ganz auf die Schriftstellerei verlassen hätte, der irrt. Der Verlag, der den Buch-Wettbewerb initiiert hatte, stellte Astrid halbtags als Lektorin ein und so baute sie die Kinderbuchabteilung dort auf. Und das bis zu ihrer Pensionierung 1970.

Astrid Lindgren war also über viele Jahre eine feste Teilzeitangestellte, selbständige Autorin, Mutter, Ehefrau und Hausfrau. Vielleicht hatte sie aber auch eine Haushaltshilfe, denn in ihrem Tagesablauf war nicht viel Platz. Morgens schrieb sie im Bett oder auf der Veranda an ihren Büchern. Damit das schneller geht, stenografierte sie die Manuskripte und tippte sie erst in der finalen Fassung ab. Gegen 13 Uhr ging sie in den Verlag und abends las sie zu Hause die Manuskripte und Neuerscheinungen für die Arbeit durch.

„Und dann muss man ja auch noch Zeit haben, einfach da zu sitzen und vor sich hin zu schauen.“

 Das entschwundene Land* ist Astrid Lindgrens einziges Buch für Erwachsene und handelt von der Liebesgeschichte ihrer Eltern, und ihrem Weg zur Kinderbuchautorin.

Quellen: Wikipedia, Geo.de, Deutschlandfunkkultur, Zeit.de, arte

Was wir von Astrid Lindgren lernen können

Was wäre gewesen und aus Astrid Lindgren geworden, wenn sie den Vater ihres unehelichen Sohnes Lasse geheiratet hätte? Es hätte auf jeden Fall keine Astrid Lindgren gegeben, sondern eine Astrid Blomberg. Was wäre aus den vielen schönen Kinderbüchern geworden? Was wäre unsere Kindheit ohne Pippi Langstrumpf?

Auch wenn wir die Zeit nicht zurückstellen können, um eine Welt ohne Astrid Lindgren erleben zu können, so bin ich doch sehr dankbar, dass es sie gegeben hat und das sie so war, wie sie war. Auch wenn sie sich immer wieder einen anderen Start für sich und ihren Sohn Lasse gewünscht hatte, so hat diese schroffe und raue Seite des Lebens, Astrid wachsen lassen und sie zu dem befähigt was sie war.

 Die wunderbare Welt von Astrid Lindgren*

Und das lässt mich wieder über das Los Alleinerziehende zu sein nachdenken. Auch wenn wir es oft verfluchen und uns ein problemloses, harmonisches Leben wünschen, so ist gerade diese harte Schule des Lebens auch eine Chance daran zu wachsen und noch Großartiges zu bewerkstelligen.

Was ist oder wird dein Ventil, um damit fertig zu werden? Was für ein besonderes Talent entwickelst du daraus? Alleinerziehend sein ist nicht das Ziel, es ist keine Endstation, sondern erst der Anfang. So wie bei Astrid Lindgren!

Im 1. Teil „Astrid Lindgren – mutig und alleinerziehend“ erfährst du wie sie eine sehr mutige Entscheidung in jungen Jahren getroffen hat und sich als junge Alleinerziehende durchs Leben gekämpft hat.

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